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Hochzeit

30 Sep

Der Höhepunkt des heutigen Geschens war eine Hochzeit, zu der ich als Chormitglied eingeladen war. Es war die erste evanglische Hochzeit, die ich erleben durfte – alle vorherigen waren katholischer Natur, die allein von der Auffassung her grundverschieden abliefen. Als Musiker durfte ich derzeit dem Altar und somit auch dem Brautpaar oft nahe sein und das Treiben in der gesamten Kirche beobachten. Diesmal hatte ich von der Empore nur einen Ausblick auf das Brautpaar, aber das reichte mir. Wie man mir später sagte, sah man auch meinem Rücken an, dass ich mich an die Stelle der Braut gewünscht habe – ein typisch kitschiger Mädchentraum eben. Wie furchtabr! :P
Aber nicht nur die Braut mit ihrem wunderschönen langen weißen Kleid lohnte den Gottesdienst, auch die Predigt war den Besuch wert, denn es wurde von dem Haus der Ehe gesprochen, das – wie jedes andere Haus auch – vier Wände braucht: Die Aufrichtigkeit, das Gespräch, die Vergebung und die Romantik. Ich war wohl zu sehr in den Gedanken eines Häuserbaues vertieft, um – wie zwei andere Personen es taten – zu bemerken, dass eine Wand, nämlich die Sexualität, fehlte. Aber erzähl mal jemandem, dass ein Haus mindesten 5 Wände braucht, wenn das Dach schon längst da ist und der Grundstein beim Jawort gelegt wird? Auch jetzt denke ich noch, dass die Sexualität als eigene Wand wohl keine tragende Funktion hätte, aber da nicht nur meine Mutter mich auf das Fehlen dieser Wand hingewiesen hat liegt es doch eher an meiner Naivität, dass ich daran überhaupt nicht gedacht habe.

Aber wie auch immer. Ich freue mich auf den Tag, an dem ich in einem solch weißen Kleid zum Altar emporsteigen werde, auch wenn es seltsam ist, da ich bis vor kurzem eine solche Vorstellung noch belächelt hätte. Der gute Vergil hatte zweifelsohne Recht,  als er behauptete: „Omnia vincit Amor, et nos cedamus Amori.“ Vor der Liebe kann man nie sicher sein, denn selbst wenn man fest dazu entschlossen ist, sich nie zu verlieben, trifft die Liebe einen schneller als man ahnen mag…. „Principiis obsta“, wie mein Lateinlehrer letztens zu mir sagte. Wie Recht er doch hat, doch hoffe ich, dass ich niemals ein Heilmittel brauchen werde, das sowieso erst zu spät bereitet werden würde.

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Verfasst von - 30. September 2006 in Erlebtes

 

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