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Bestrafung der Fleißigen

03 Nov

Ich erinnere mich noch allzu gut an das Lächeln des MSS-Leiters meiner neuen Schule, der sagte, dass er noch nie gehört hätte, dass sich Schüler über zu faule Lehrer beklagen können und dass Schüler in ihrem Tun gehindert werden.

Aber so war es bislang – so ist es bis heute. Mit Grauen denke ich an die Französischstunden zurück, in denen ich wahlweise gemalt, gelesen oder geschrieben, aber auf keinen Fall den Gesprächen über Maniküre und andere Lehrer zugehört habe. Ebenso an andere Fächern, bei denen ich immer mehr resignierte..

Der Schulwechsel hat daran in so weit etwas geändert, dass ich die ersten Wochen richtig hart arbeiten musste, um den ganzen Stoff aller Fächern mit Außnahme Lateins nachzuarbeiten. Das war eine schöne, wenn auch gehetzte Zeit. Heute habe ich alles aufgeholt und der Unterricht ist so langatmig und schleichend wie je zu vor. Aber als sei das noch nicht genug, werden diejenigen, die etwas tun wollen, noch zusätzlich bestraft:

Fall1:
Über die Ferien sollten wir uns in Biologie zur Vorbereitung der Leistungskursarbeit das Kapitel zur Evolution durchlesen, was ich auch mit Freude getan habe – nach dem endlosen Kapitel der Genetik endlich mal wieder etwas Interessantes! Nach den Ferien stellte sich aber heraus, dass dies zu meinem größten Leid geschah, denn die Lehrerin stellte Fragen über die Evolution, die ich – mittels Ferienlektüre – gleich hätte beantworten können, die wir aber – wie sonst auch üblich – erst einmal eine Schulstunde lang bearbeiten sollten. Da saß ich nun. Glücklicherweise erinnerte ich mich daran, dass im Abitur auch die Ökologie drankommt, die ich bisher noch überhaupt nicht behandelt habe und vertiefte mich also in die Tiefen dieses Gebietes.

Fall2:
In meinem neuen Mathekurs ist mal wieder gang und gäbe Hausaufgaben aufzubekommen. Zumal meine Lehrerin jede nichtgemachte Hausaufgaben gleich mit 0 Punkten bewertet, die genausoviel zählen wie eine Epochalnote oder eine HÜ. Daher gehe ich davon aus, dass seit dieser Handhabung die Hausaufgaben von jedem Schüler gewissenhaft bearbeitet werden. Aber: viele Schüler schaffen die Hausaufgaben nicht alleine (oder haben es erst gar nicht richtig versucht?) und wir verbringen die Mathestunden damit die Hausaufgaben zu vergleichen. Und was macht der Schüler, der diese bereits komplett und keine weiteren Fragen dazu hat? Er sitzt gelangweilt da und starrt Löcher in die Luft. Wahlweise macht er auch mal Hausaufgaben und lernt für andere Fächer. Aber ist das ein Leben? Vor allem, wenn man noch mehere Freistunden und selbst für die nichts mehr zu tun hat.

Conclusio:
Man sollte es vermeiden, die Hausaufgaben zu erledigen, denn man verpasst sowieso nichts. Das Versäumte kann leicht in einer einzigen Schulstunde ohne viel Mühe nachbereitet werden. Alles, was selbst erarbeitet wurde, dient höchstens einer guten Epochalnote, die die Langeweile aber wohl kaum wert sein dürfte.
Ich plädiere also entweder gar keine Hausaufaben aufzugeben, da alles in der Schule besprochen wird, oder vom Schulunterricht unabhängige Hausaufgaben zu verteilen.

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2 Kommentare

Verfasst von - 3. November 2006 in Erlebtes, Studium

 

2 Antworten zu “Bestrafung der Fleißigen

  1. Nero

    5. November 2006 at 00:19

    Ein Problem welches ich ja unendlich gut kenne – aber ich muss dich warnen!
    Konkreter Fall Mathe: Ich bin mathematisch hochbegabt. Ich habe letztes Jahr einen Tag vor einer Klausur den Stoff eines halben Jahres an einem Tag aufgearbeitet. Da ich ausserdem notorisch faul bin und nichtmal ansatzweise Spaß an dem zT. niveaulosen Stoff habe der dort behandelt wird vermeide ich Hausaufgaben und Übungsaufgaben generell so gut es geht. Letzte Woche habe ich dafür wohl die Quittung erhalten, als ich total überzeugt von meinen Fähigkeiten absolut unvorbereitet in die Matheklausur gegangen bin – ich rechne mit einer 5 oder sogar 6. Und das mir, der – rein IQ technisch gesehen – 1 stehen MUSS …. ich könnte mich selbst ja dafür ohrfeigen … *seuftzt*
    Ich rate, nicht zu überzeugt zu werden – wenn man erstmal gemerkt hat wie bequem faul-sein ist, ist es schwer dannach wieder richtig zu lernen/arbeiten.

    LG,

    Alex

     
  2. Dekar

    5. November 2006 at 20:57

    Es stimmt schon… je mehr man sich anstrengt, destso schlimmer wird es. Es fing schon in der Grundschule, nein im Kindergarten an und wird immer so weiter gehen :)
    Letztendlich ist das aber ein natürliches Prinzip. Je mehr man versucht, etwas gut zu können, destso unerträglicher wird es, anderen dabei zuzuschauen, wie sie versuchen, es zu verstehen, obwohl sie nicht richtig wollen.

    Lg dekar

     

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