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Gespräche nützen

10 Dez

Fall1:
Ich bin seit gut einem Jahr auf meiner neuen Schule. Gleich in der ersten Woche kam es dabei zu einer unliebsamen Begegnung mit einem Mädchen, das behauptete Theologie studieren zu wollen. Sie interessierte mich anfangs also zweifellos und ich beobachtete ihr Verhalten diesbezüglich. In der weiteren Zeit musste ich aber feststellen, dass sie es mit ihrem Berufswunsch unmöglich ernst meinen könne: Ihre Art, ihr Denken, ihr Handeln schien einfach nicht dazu zu passen. Dazu kam in einer Unterrichtsstunde ein übles Missverständnis zwischen uns. Ich mochte sie nicht und obwohl wir oft mit demselben Zug fuhren, sprachen wir nicht miteinander.
Heute nach dem Sportunterricht fragte sie mich, ob wir nicht zusammen mit dem Zug fahren sollen. Ich war entsetzt, konnte aber natürlich nicht ablehnen. Auf dem Weg zum Bahnhof und in der Zeit, bis der Zug endlich losfuhr hatte ich Zeit genug um festzustellen, dass ich mich komplett in ihr geirrt hatte. Sie ist viel tiefgründiger als ich dachte und teilt meine Meinungen in sehr vielen Punkten (was Mädchen betrifft oder Zuneigungsbezeugungen in der Öffentlichkeit). Übrigens kam es auch zur Aussprache über das eine Missverständnis und sie sagte, dass es ihr die ganze Zeit nachgegangen sei, eine Tatsache, die ich niemals geglaubt hätte.
Ich bin sehr dankbar für dieses Gespräch und weiß jetzt auch, dass ich in Zukunft keine Angst vor ihr zu haben brauche. Sogar in Sachen Mobbing denkt sie anders als erwartet… seltsam, wie man sich in Menschen so irren kann. Gespräche nützen eben doch auch manchmal etwas.

Fall2:
Es scheint schon seltsame Gerüchte gegeben zu haben. Als ich neulich dienstags mit einigen meiner Kollegen in der „Mittagspause“ (so etwas gibt es an meiner Schule eigentlich gar nicht ;) ) vor der Bibliothek saß und wieder einmal über Amoklauf oder Nichtamoklauf diskutierte, machte S. einen Witz über meinen allseits verhassten Religionslehrer. A. schien bass erstaunt darüber, dass ich auch mitlachte, obwohl es doch allgemein bekannt war, dass ich die Lieblingsschülerin des Lehrers sei. Das hat ihn tatsächlich so erstaunt, dass er sich doch tatsächlich mit mir unterhalten hat. Auf die Frage einiger Kollegen meinte er zwar, er wolle ja nur für den Fall vorsorgen, wenn ich Amok liefe. Dann könnte er wenigstens etwas über mich sagen.

Fall3:
In einer meiner vielen Freistunde saß ich mit einem der vielen Alexander in der Bibliothek. Dummerweise sprachen wir über meine Leidenschaft des Telefonierens (Telephobie ahoi!). Seltsamerweise rief mich eben dieser Alexander einen Tag später dreimal an. Ob er nun meine Telephobie heilen wollte oder wirklich nur an den fehlenden Erdkundeausarbeitungen interessiert war, sei dahingestellt. Ich zumindest war glücklich über das Interesse eines Kollegen.

Fall4:
Wie sehr musste ich mich schon für meine Leidenschaft für klassische Musik oder Musik der 60er Jahre schämen? Wie oft wurde ich dafür ausgelacht, dass ich das Theater mag? Da kann ich nur sagen, dass ich glücklich darüber sein kann, dass niemand wusste, dass ich auch noch im Kirchenchor singe. So war es auch insgesamt ein Verbrechen Lektüre außerhalb der Bildzeitung zu suchen. Meine Kultursucht blieb also im Verborgenen. Ein Glück, dass ich eines Tages „Der gute Mensch von Sezuan“ von Brecht dabeihatte. M. sprach mich darauf an und teilte mir ihre Leidenschaft für Kultur mit. Und als sei das noch nicht genug, fragte sie mich noch, ob ich nicht mit ihr ins Theater gehen wolle. Dummerweise ist bis heute nichts daraus geworden, aber das kann ja noch werden.

Wie gesagt: Gespräche nützen! Vor allem dann, wenn man vorher fest davon ausging, dass sich die Mehrheit der Menschen total in allen negativen Aspekten gleicht.nekoHead8

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Ein Kommentar

Verfasst von - 10. Dezember 2006 in Erlebtes, Studium

 

Eine Antwort zu “Gespräche nützen

  1. Dekar

    17. Dezember 2006 at 12:53

    Ist doch schön :) An dem Smiley unten sieht man auch, dass es dir mittlerweile mehr gefällt, mit unbekannten Leuten zu kommunizieren (dieses Verb klingt irgendwie seltsam, wenn man es als Synonym für „Reden“ missbraucht… :P)
    Da man nicht nicht kommunizieren kann, ist es sowieso besser, man ergreift die Initiative, bevor es zu Missverständnissen kommt.

    lg dekar

     

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