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Riley: Die Hexe von Paris

03 Mrz

Die Hexe von ParisDas Buch „Die Hexe von Paris“ von Judith Merkle Riley ist ein spannender historischer Roman, der zu den Zeiten von König Ludwig XIV spielt, dem Sonnenkönig. Die körperlich leicht behinderte aber äußerst schlaue und gebildete Geneviève wächst in einer pariser Familie auf und gerät durch Zufälle inmitten der Intrigen, die die damalige Zeiten beherrschen. Die Mutter vergiftet den Ehemann und hernach die Schwiegermutter, nur um an Geld zu gelangen. Sie ist aber bei weitem nicht die einzige, der es um Geld geht. Der ganze Adel lässt sich regelmäßig von Wahrsagerinnen und Magiern beraten und halten auch öfter schwarze Messen ab, um an einen bestimmten Geliebten zu kommen oder um ihn zu behalten. Von der Familie fortgewiesen, versucht die 15-jährige Geneviève als die Wahrsagerin Marquise de Morville ihr Glück und ist sehr erfolgreich.

Das Buch ist merklich von einer Frau verfasst. Männer schneiden in dem Buch nicht besonders gut ab. Sie werden von den Damen nur als gesellschaftliche Stütze gebraucht, als Schutz und als jemand, der rechtlich Verträge unterzeichnen kann. Gleichzeitig müssen sie aber ständig mit einem Giftanschlag der ihnen anvertrauten rechnen. Mit wenigen Ausnahmen gelten die Männer allgemein als dumm, doch tragischerweise lässt sich die zunächst hässliche Geneviève unter Schmerzen schön machen und sinnt darauf, den dummen aber romantischen Kerl zu haben, der einst ihre äußerst hübsche Schwester anhimmelte.

Als ebenjener sie dann tatsächlich zu verführen gedenkt, sagt ihr Herz eindeutig ja, ihr Verstand nein. Ihr Verstand weiß, dass der selbsternannte Chevalier nur durch sie Rache üben will, ihrem Herzen ist das egal. Warum hat der Mensch ein Herz, das ihm zu Unvernünftigem rät? Ist es das Herz, das es verhindert, dass wir eine einzige kalte Maschine sind?

Auf der anderen Seite gibt es die Damen, die sich als Mätresse in die Abhängigkeit der Männer begeben und sich für sie sogar umbringen lassen. Ein hübsches Fräulein, erwartet endlich ein Kind, ihr seligster Wunsch, wird dann aber von ihrem Liebhaber dazu gedrängt es abtreiben zu lassen. Aus Liebe geht das Fräulein zu einem Mann, von dem ihr jeder abgeraten hat, weil dies auch ihr sicherer Tod ist. Sie wird sterben, wie viele andere Frauen auch…

Wenngleich ich es Männern nur bedingt empfehle, kann ich nicht umhin zu bermerken, dass das Buch einfach herrlich ist. Es ist seit langer Zeit wieder ein richtig gutes Buch. Besonders die Sprache hat mich in dem Bücherberg der Mayerschen Buchhandlung dazu verleitet genau dieses Buch von Hunderten auszuwählen.

„Wie ich an jenem Morgen zwischen den Sternbildern des Schützen und des Steinbocks geboren wurde, so stand ich auch just an der Konjunktion der Welten von Licht und Dunkel. Auserkoren zur Wanderung zwischen ebendiesen Welten von demselben Schicksal, das meinen Augen die Macht verlieh, das Orakelglas zu lesen. Und auf meiner Wanderung zwischen der Welt der Vernunft und der uralten Welt der Mysterien und des Wahns begegnete ich Prinzen, Narren und Ungeheuern, zuweilen wahrhaftig alle in ein und derselben Menschengestalt vereint. Keine aber war größer als die strahlende und gefährliche Frau, die Paris aus dem Schatten beherrschte und die Mächte der Erde verhöhnte. Sie war es, die mein Leben veränderte, im Guten wie im Bösen, es zu dem machte, was es heute ist. Während ich schreibe, steht ihr Talisman auf meinem Pult, ein kleines Katzengesicht aus Bernstein. Wenn ich vom Blatt aufblicke, höre ich den Widerhall ihres hämischen Gelächters: >So, so, du schreibst über mich, kleines Närrchen? Dann schreibe recht.< Wer war sie, die Königin der Schatten? Keine, von der Ihr je gehört habt. Nur die größte Hexe, die je ein Königreich in ihrer Hand hielt.“

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2 Kommentare

Verfasst von - 3. März 2007 in Bücher

 

2 Antworten zu “Riley: Die Hexe von Paris

  1. Dekar

    12. März 2007 at 07:01

    Mir fällt auf, dass ich schon seit längerem kein richtiges Buch mehr gelesen habe. Das ist Schade, denn dann bleiben auch solche Erlebnisse aus, wie du sie mit diesem Buch hattest… Vielleicht sollte ich auch wie du einfach mal in eine große Buchhandlung gehen und mir irgendetwas aussuchen, was vielversprechend klingt…

    mit vielen lieben Grüßen,
    Dekar

     
  2. Kiya

    12. März 2007 at 09:30

    Das solltest du mal tun, auch wenn du vorher festlegen solltest, wie viele Bücher du höchstens mitnehmen willst. Ich hätte auch gut uns gerne 6 oder 7 mitnehmen können. Ich glaube trotzdem, dass ich die drei besten gefunden habe. ;) Nach dem mündlichen Abitur werde ich auch endlich mit den anderen beiden Büchern bgeinnen.

    Gruß
    Kiya

     

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