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Zu viel freie Zeit – zu gutes Wetter

13 Mrz

Das Wetter macht mich irgendwie total fertig und schlapp. Draußen ist zwar wunderschönstes Wetter, soll sogar schön warm sein, ich aber friere mich in meinem Zimmer zu Tode und muss gegen den Schlaf kämpfen. Zu viel freie Zeit treibt mich außerdem zu lange vor den Laptop, der meinen Kopfschmerzen auch nicht gerade abträglich ist. Die freie Zeit hat aber noch weiterhin einiges Schlechtes an sich: Nicht nur, dass ich mich faul fühle, weil ich mir morgens ein ‚bis 8:30 im Bett liegen’ gönne, ich mir jeden Tag darüber Gedanken mache, was ich zum Mittagessen kochen soll und bei dem Gedanken daran mich sowieso den ganzen Tag mit irgendetwas Unnötigem vollstopfe, sondern auch das regelmäßige Hören der Nachrichten. Ich lasse den ganzen Tag das Radio laufen und alle halbe Stunde bringen sie das Neuste vom Neuen. Das schürt irgendwie auch meine Aggressionen. Entführung Deutscher, Gefangennahme Deutscher, Terrorwarnungen an Deutschland… aber dann auch noch der deutsche Einsatz in Afghanistan, wo unsere Soldaten echt absolut nichts zu suchen haben.
Andererseits hat das ganze vielleicht mit politischem Kalkül zu tun, das ich als normalsterbliche, politisch relativ uninteressierte Bürgerin nicht zu durchschauen vermag. Seine Freunde soll man sich, bekanntlicherweise, in frühen Zeiten machen, bevor es zu spät wird. Die Frage, wie weit dabei die eigene Moral vernachlässigt werden darf, bleibt offen. Man darf sich vielleicht mal als kleinen Gedankenanstoß einen Ausschnitt aus der „Zeit“ zu dem Thema BMD unter dem Titel „Kein Schock für die Sputniks“ durchlesen: „Vergangene Woche enthüllte das Nachrichtenmagazin The economist, Premierminister Tony Blair führe bereits seit letztem Herbst vertrauliche Gespräche mit der US-Regierung, um die Abfangraketen-Basis auf die Insel zu bekommen. Er verspreche sich damit, so das Blatt, mehr Sicherheit für sein Land. Kein ganz dummer Gedanke vielleicht. Zwar werden die USA nicht müde zu betonen, von BMD sollten alle „Alliierten und Freunde“ profitieren. Aber eine Handvoll Raketen wären im Ernstfall sehr schnell verschossen. Glücklich dann das Land, das selbst „systemwichtig“ ist.“ Mit dieser Aussage mag der Autor Jochen Bittner nicht ganz Unrecht haben. Was würde ich tun, wenn ich an der Spitze Deutschlands Führung stünde? Wie Schröder mich gegen den Irakkrieg stellen oder wie Merkel mich auf die Seite der USA schlagen?
Darin, Freundschaften mit ungeliebten Personen nur für eigene Interessen zu wahren, bin ich ja nach eigenem Ermessen ganz gut. Oder war es einfach nur die Mutlosigkeit, zu meiner Meinung zu stehen, weil ich hinterher ganz alleine sein könnte? Vielleicht hat Deutschland ein ähnliches Problem.
Aber wie auch immer: Ich bin gegen das kindische Verhalten der USA, jetzt nach Milliarden von Dollars und gescheiterten Plänen doch noch mit ihrem „Star wars“ anfangen zu wollen. Man sollte meinen, dass zumindest die Leute, die hinter Bush stehen und ihm ins Ohr flüstern, aus dem Kalten Krieg gelernt haben sollten. Womit ich auch schon gleich beim nächsten Thema wäre: In all der freien Zeit habe ich mich zum ersten Mal mit Geschichte befasst, die auch mein eigenes Leben angeht, weil sie sich zu meinen Lebzeiten abspielte und eigentlich gerade wieder aktuell wird. Für mein mündliches Abitur am Freitag habe ich mich jetzt ausgehend mit dem Kalten Krieg beschäftigt.
Ich finde besonders die verschiedenen Sichtweisen der beiden Blöcke interessant, die da aufeinandertreffen. Noch interessanter ist, wie sehr mein Denken vom Westen her beeinflusst ist. Denn ich war bisher auch immer der Meinung, die USA bringe allen die Demokratie und die Sowjetunion sei das imperialistische „Reich des Bösen“ gewesen. List man sich im Vergleich mal Schdanows Rede zur Gründung der Kominform durch, wird auch klar, warum die Sowjets die DDR als demokratisch bezeichnet haben. Zumindest kommt aus der Rede hervor, dass nur sie selbst die wahre Demokratie brächten und die USA die antidemokratischen Imperialisten seien und alles für einen nächsten Krieg vorbereiteten. Sehr interessant. Dennoch muss ich mich bei der Kriegsschuldfrage zur Postrevisionistischen Ansicht bekennen, die besagt, dass beide Schuld waren. Aber das sagte auch meine Mutti schon immer: „Es sind immer zwei Schuld. Einer, der ärgert, und einer, der sich ärgern lässt.“

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2 Kommentare

Verfasst von - 13. März 2007 in Gedanken

 

2 Antworten zu “Zu viel freie Zeit – zu gutes Wetter

  1. Dekar

    13. März 2007 at 23:00

    Der letzte Satz ist toll. Im Prinzip erklärt der Satz alle Kriege, die es bisher gab : ein wirklich starker, souveräner Staat hat es nicht unbedingt nötig, sich im Krieg zu behaupten, solange er in anderen Bereichen friedlich und kooperativ die Oberhand behält. Die USA sollen vor langer Zeit mal eine solche „Friedensmacht“ gewesen sein, als sie sich noch nicht als Weltpolizei verstanden.
    Die Situation ist aber auch sehr schwierig. Die westliche Welt ist mit der Demokratie recht erfolgreich in der Wahrung der Interessen der Bürger, aber sie hat sehr Angst vor der Fremdheit anderer Kulturkreise, allen voran der islamischen.
    Diese Angst bringt die USA unter Anderem, denke ich, in die Lage, in der sie jetzt ist. Die Regierung muss die Angst der Bürger beruhigen, was sie nur dadurch schaffen kann, die Situation im Nahen Osten unter (ihre) Kontrolle zu bringen. Mit dem Versuch dies zu schaffen erreichen sie jedoch das Gegenteil : einen endlosen Krieg, der wiederrum das Volk verängstigt. Ein Selbstverstärkungseffekt, der eine ähnliche Struktur hat wie die im Kalten Krieg. Allerdings ist der Gegner nun verborgen und aggresiver als die Sowjetunion. Dennoch : mit jedem Tag spitzt sich die Krise zu und das Militärpotential der USA-Gegner im Nahen Osten nimmt zu.

    Allerdings ist dieser Konflikt, der im Prinzip ebenfalls ein Ideologienkonflikt ist, nicht so ohne weiteres zu lösen, da man nicht auf den Zusammenbruch irgendeines Staates hoffen kann. Im Gegenteil : Zerstörung und Zerstreuung führt zu mehr Gefahr.

     
  2. Kiya

    14. März 2007 at 07:38

    Ja, das stimmt. Trotzdem bauschen die USA die Angst meiner Meinung nach zu sehr auf. Es ist ja nicht so, als seien sie das einzige bedrohte Land. In England, Spanien und Russland hat es auch schon Attentate gegeben, die Terrorwarnungen für Deutschland und Österreich sind ganz frisch, letztes Jahr wurden im Zug von Koblenz nach Köln zwei Koffer gefunden….
    Jedes Land hat mit dem Terrorismus zu tun und je mehr da mit Medien die Angst der Bevölkerung geschürt wird, desto besser für die Terroristen.
    So kann auch die BMD kaum gerechtfertigt werden. Gegen Terror hilft das ncihts. Wollen sie etwa Flugzeuge damit abschießen?

     

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