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Sieben kleine Freunde

15 Mrz

Mit meinen sieben Schrauben mache ich mich morgen auf in die Prüfung. Heute vor einem Jahr ließ ich mir die Platte mit den sieben Schrauben freiwillig einpflanzen. Freiwillig deshalb, weil ich eine frisch gebackene 18-jährige war und mich meine Mutti nicht mehr dazu zwingen konnte. Die Unterschrift musste ich selbst geben. Natürlich war ich gegen eine Operation, wurde aber doch, noch unter Schock des Unfalls stehend, dazu forciert. Im Nachhinein war es wohl eine gute Entscheidung, denn ich konnte meinen Arm relativ bald wieder vollständig bewegen, auch wenn mir die Ärzte einen Nerv durchtrennt hatten und meine Schulter größtenteils taub war – mittlerweile ist sie wieder spürbar. Die Alternative wäre schmerzhafter gewesen: Sechs Wochen im Rucksackverband – mindestens! Die eine Nacht darin hat mir sehr gereicht. Die meisten Ärzte konnten mich ohnehin trösten, indem sie mir versicherten, in einem halben Jahr könne die Platte raus. Dann würde man zwei kleine Schnitte machen, um die Schrauben an beiden Enden zu entfernen und die Platte durch eines der beiden Löcher entfernen. Das möchte ich aber auch gebeten habe, wo meine Narbe nach einem Jahr doch endlich kaum noch zu sehen ist. Aber da mittlerweile ein Jahr vergangen ist und die Platte also nicht nach bereits einem halben Jahr entfernt wurde wie versprochen, kann man sich auch denken, was aus dem zweiten wurde: Welch ein Schock, als ich die Röntgenbilder sah und nicht mehr und nicht weniger als sieben Schrauben zählte.
Ich könnte ja versuchen so abergläubisch zu sein und hoffen, dass mir diese märchenhafte Anzahl Glück bei meiner Lateinprüfung heute und bei der Geschichtsprüfung morgen bringt. Meinem Arzt zufolge, kann dem einfach nicht der Fall sein. Fremdgegenstände im Körper behindern die geistige Leistung, so weit ich es gehört habe. Dies soll übrigens auch für Zahnspangen gelten. Na ein Glück, dass ich nie eine tragen musste. Abwehrreaktionen gegen die Platte zeigte mein Körper im übrigen auch bereits. Ich hätte schwören können, ohne etwas getan zu haben, der Knochen sei so kaputt wie eh und je, was eine Röntgenaufnahme seltsamerweise nicht bestätigte. Dafür bestätige der behandelnde Arzt, die Schuler sei tatsächlich ein wenig geschwollen. In solchen Zeiten lernt man dann, wie lange 24 Stunden sein können, wenn man nur zwei Schmerztabletten innerhalb dieser Zeit zu sich nehmen darf.
Aber natürlich will ich mich nicht darüber beklagen – denn 24 Stunden sind tatsächlich lang. Um wie viel länger werden mir die zwanzig Minuten Prüfungszeit erscheinen?

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Verfasst von - 15. März 2007 in Erlebtes

 

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