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Karrierefrauen und sonstige Vorurteile

19 Mrz

Ein Artikel aus der heutigen Rhein-Zeitung war mit der Schlagzeile „Beziehung und Karriere meistern“ betitelt. Eigentlich sollte es darin um die Probleme einer Fernbeziehung gehen, die Partner eingehen müssen, wenn sich ihr Arbeitsplatz an zwei verschiedenen Orten befindet. In Wahrheit lief der Artikel wieder mal auf eine Anklage einer Emanze hinaus, die sich darüber beschwert, dass immer noch Frauen auf eine Karriere verzichten, um eine Familie haben zu können, nicht die Männer. Dabei schloss die Autorin folgerichtig, dass spätestens mit dem Kinderwunsch keine Fernbeziehung mehr möglich ist und einer seinen Beruf aufgeben und zum anderen ziehen müsse – und das sei meist die Frau. So ist es auch sie es, die zu Hause bleibt, während der Mann weiter arbeitet.
Leute, die wie die Autorin die Männer an den Herd rufen wollen, machen sich dann – davon bin ich überzeugt – entweder keine oder falsche Gedanken darüber, in wie weit das überhaupt durchsetzbar ist. Richtig erkannt hat die Autorin, dass es immer noch verpönt ist, Männern eine Familienpause zu gewähren. Dabei hätte sie noch einen Schritt weitergehen können, denn so wie ich es erlebe, schaut die Gesellschaft die Frau komisch an, die es schafft, ihren Mann dazu zu überreden zu Hause zu bleiben, während sie Karriere anstrebt. Sie gilt als selbstsüchtig und hinter vorgehaltener Hand wird man wohl tuscheln, dass sie daheim sowieso die Hosen anhätte. Auf Gegenliebe und Hilfsbereitschaft in der Nachbarschaft wird man da wohl verzichten müssen. Aber selbst wenn man als Paar so stark ist und die gesellschaftlichen Vorurteile abschüttelt, stellen sich weitere Hindernisse ein. Beide Partner stimmen vielleicht darin überein, dem Kind den Vorzug des Stillens zu gewähren. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass die Frau ohnehin eine kurze Pause einlegen muss, bis sie sich schließlich dazu durchringt, das Kind abzustillen. So Leid es auch vielen tun mag, die Aufgabe des Stillens kann der Mann naturgegeben nicht übernehmen, so sehr sie es auch möchten und so sehr unsere Forschung und der Fortschritt auch voranschreiten. Ich persönlich bin froh darüber, erlaubt es doch, so eine tiefgehende Beziehung mit dem Kind aufzubauen, weiteren Schwangerschaften vorzubeugen, ohne Hormone schlucken zu müssen, und weiterhin zu essen, was und wie viel man will, nimmt man doch während des Stillens kaum zu – natürlich nehmen sorgsame Mütter letzteres Angebot nicht an, sondern ernähren sich nach wie vor bewusst gesund. Ich kann allerdings nicht verneinen, dass es praktischer wäre, wenn beide Elternteile diesen Nutzen für sich beanspruchen könnten und beide das Kind auf natürliche Weise füttern könnten.
Um also nach einer solchen Stillpause die Rollen tauschen zu können, muss die Frau erst mal wieder einen Beruf haben, damit der Mann aus dem seinen aussteigen kann. Aber auch für Paare, die sich gegen das Stillen entscheiden – immerhin werden auch Kinder mit der Flasche groß und zu ganz normalen Menschen – ergeben sich weitere Probleme.
Gerade wenn eine Partnerschaft zu einem Trio erweitert wird, ist Geld von Nöten. Windeln und Kleidung, sowie eventuell Nahrung müssen gekauft werden. Manchmal ist ein Umzug in eine größere Wohnung nötig oder überhaupt in eine, in der die Haltung von Kleinkindern erlaubt ist. Wie es aber doch allgemein bekannt ist, müssen Frauen viermal so viel arbeiten, um dasselbe Gehalt zu erhalten wie ihre andersgeschlechtlichen Kollegen. Gerade in einer Zeit, in der man kaum schlafen kann, weil ein Kleinkind die Nacht nicht durchschläft, ist es brutal, von der Frau zu verlangen, dass sie viermal so viel arbeitet, um über die Runden zu kommen. Erfahrung hat weiterhin gezeigt, dass die Fürsorge für jemand Hilflosen eher eine weibliche Eigenschaft ist. Während die Männer die Nacht ruhig durchschlafen konnten, taten Mutti und ich kein Auge zu, aus Furcht, wir könnten von Oma gebraucht werden, die könne uns aber aus unerfindlichen Gründen nicht rufen oder traue sich nicht. Dies mag wieder an Erziehung oder an anderen Faktoren liegen, ist aber nicht gerade hilfreich, wenn es heißt, der Mann solle die Nachtwache machen, so dass die Frau ihre Kräfte für den nächsten harten Arbeitstag sammeln kann.
Das Fazit ist einfach: Die ohnehin besser bezahlten Männer sollten weiterhin arbeiten geben, denn auch eine regelmäßige Abwechslung in der Kindesbetreuung, wie es möglich ist, ist für den Arbeitgeber oft eine Katastrophe.

Wie steht es mit mir? Würde ich von meinem Mann verlangen, zu Hause zubleiben? Ich weiß es noch nicht. Wahrscheinlich kommt es auf die Umstände an, wer von uns beiden mehr verdient, wer überhaupt einen Arbeitsplatz hat, wer eine gute Chance hat, nach einer Familienpause wieder in die Arbeitswelt einsteigen zu können. Wahrscheinlich wird es dann sowieso so weit sein, dass beide ihre Karriere weiterverfolgen können, Dank unzähliger Kinderkrippen. Dabei finde ich das Angebot zwar lieb gemeint für Menschen, die so eine Einrichtung brauchen, würde es aber selbst höchst ungern beanspruchen.
Würde ich für Kinder auf eine Karriere verzichten? Die Antwort ist: Ich habe diesbezüglich bereits den ersten Schritt getan, indem ich mich gegen Natur- und für Geisteswissenschaften entschieden habe. So unwichtig und unlieb mir mein Geschlecht auch ist, möchte ich es nicht verleugnen, um mich in einer Männerwelt als Mann anzubiedern und Steine in den Weg gelegt zu bekommen aus Furcht von diesen, nur um in einer so männerdominierten Welt erfolgreicher zu erscheinen, als mit ebensoviel Anstrengung, aber viel natürlicher in einem geisteswissenschaftlichen Beruf.

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Verfasst von - 19. März 2007 in Erlebtes, Gedanken

 

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