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Hommage an die dreieinhalb – 2

21 Mrz

Frau N. hat es verstanden, mein Interesse für Geschichte auch im schulischen Bereich endgültig zu wecken. Bereits in der dritten Klasse habe ich die Schulbücher meines Bruders nach dem Geschichtsbuch durchsucht und stellte bedauernd fest, dass dieser in der fünften Klasse noch keinen Geschichtsunterricht hatte. Sehnsüchtig habe ich auf die siebte Klasse gewartet, wurde dann aber von den Büchern ernüchtert. Frau N. unterrichtete ohne Bücher. Darin tat sie meiner Meinung nach recht, denn kein einziges Geschichtsbuch hat bisher meinen Ansprüchen genügt. Sie waren allesamt langweilig. Ohne Buch konnte Frau N. also frei unterrichten und den Schülern die Geschichte spannend näher bringen, was auch ihr Ziel war. Gescheitert ist sie an der Schülermentalität meiner Schule, denn sie wollte die Liebe zur Geschichte nicht durch Zwang zerstören. Es gab keine HÜs und keine Hausaufgaben, lediglich zwei lange Hausarbeiten im Schuljahr. Die Konsequenz, die die meisten daraus zogen: Wir brauchen nichts zu tun, außer zweimal im Jahr eine Hausaufgabe bei jemand anderem abschreiben. Aber mir? So viel Spaß haben mir Hausaufgaben selten gemacht. Diese Hausaufgaben waren keine stupiden Übungssachen, ich musste nicht ungewiss darüber sein, ob der Lehrer meine Hausaufgaben überhaupt sehen will, ich durfte so viel schreiben wie ich wollte. Dazu kam, dass Frau N. es verstand, die Geschichte romanhaft zu vermitteln, so dass alles, von den Griechen bis hin zu Napoleon in einem ganzen Zusammenhang war, den ich zum ersten Mal richtig verstand. Zum ersten Mal habe ich von dieser gesamten Geschichte auch hinterher noch eine Ahnung. Natürlich machte eine gewisse Seelenverwandtschaft die ganze Sache noch einfacher: Ich schrieb immer genau das, was und auf die Art, wie sie es hören wollte. Auch als ich ein Referat halten musste, wusste ich immer genau, was sie eigentlich von den Schülern erwartete, die es aber nicht zu verstehen schienen. Frau N. zeigte in ihrem Fach immer rege, natürliche Begeisterung, die mich immer ansteckte. Die Texte, die ihr gefielen, taten es mir auch immer gleich an. Das ist der Grund, warum ich heute die GeoEpoche lese. Noch an der alten Schule hätte ich dieses nie gewagt, kaufte mir aber, nachdem ich die Schule gewechselt hatte, die neueste Ausgabe der GeoEpoche, zur Erinnerung an den tollsten Geschichtsunterricht meiner gesamten Schullaufbahn. An der neuen Schule wurde wieder nach Buch gearbeitet, eines mit furchtbarem Konzept.
Oft wünschte ich mir, so jemanden zur Freundin zu haben. Ich fand sie einfach toll und bin daher traurig darüber gewesen, zu erfahren, dass sie die Schule ein halbes Jahr nach mir verließ. Es ist nicht so, dass ich ihr das nicht gegönnt hätte, aber ich habe so keine Ahnung, wo sie sich mittlerweile aufhält. Ich weiß also nicht, wo sie heute ist, habe aber oft geträumt, sie sei mir an die neue Schule gefolgt. Was für Gespräche wir alles hatten… herrlich! Ich wünsche Frau N., dass sie irgendwann Schüler findet, die ebenfalls auf ihr Konzept anschlagen, weil sie einfach aus Freude am Fach lernen wollen.

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Verfasst von - 21. März 2007 in Studium

 

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