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Rowland: Das Geheimnis der Konkubine. Sano Ichiros vierter Fall

22 Mrz

3404921070.03Vorweg: Ich werde mir wohl keinen weiteren Fall Sano Ichiros zu Gemüte führen, vielleicht auch kein weiteres Buch des BLT-Verlages, beziehungsweise des Übersetzers mehr. Dass viele Verlage keine Lektoren mehr beschäftigen ist deren Sache. Es gibt wohl keine Branche, in der nicht an Personal gespart wird. Aber ich möchte doch schon bitten, dass in der dritten Auflage zumindest die gröbsten Fehler bereits korrigiert wurden. Wer als japanischen Trinkspruch „kanpei“ schreibt oder den Angeklagten mit „Beklagter“ tituliert, hat seine Übersetzung wohl kein zweites Mal überflogen – denn dann hätte man zumindest merken können, dass öfters auch einfach Buchstaben weggelassen wurden, Fehler, die sogar die Rechtschreibprüfung von Word bemerkt.

Nun zum Buch: In „Das Geheimnis der Konkubine“ wird Sano-san, der sôsakan-sama des Shôguns Tokugawa Tsunayoshi, von seinen „Flitterwochen“ abgehalten, Grund ist ein Mord, der sich mitten im Palast des Shôguns ereignet. Es handelt sich hierbei also um einen Krimi, der im dritten Jahre, im neunten Monat der Genroku-Ära in Edo, sprich im Oktober 1690 in Tokio, spielt und somit den Krimi mit einem gehörigen Anteil an historischem Roman würzt. In fünf Tagen beziehungsweise 600 Seiten versucht also Sano den Mordfall zu lösen und gegen die Intrigen anzukämpfen, die am Hofe gegen ihn gesponnen werden und außerdem das Herz seiner ihm frisch anvermählten Frau zu erbeuten. Alle drei Aufgaben erscheinen schwieriger als erahnt und so stecken tatsächlich 600 Seiten Spannung im Buch. Man hat also stellenweise auch das Gefühl, ein Eheberatungsbuch in Händen zu halten. Dabei muss erwähnt werden, dass ich das Gefühl habe, die US-amerikanische Autorin mit chinesischen und koreanischen Vorfahren Laura Joh Rowland habe sich zwar sehr mit der japanischen Kultur uns Tradition auseinandergesetzt, konnte sich die Mentalität des Volkes im Lande der aufgehenden Sonne allerdings nicht gänzlich aneignen. Ein großes Minus erhält die Autorin von mir auch für die vielen erotischen Beschreibungen. Das erste Mal zwischen Sano und seiner Frau, die Verführung durch die Konkubine Ichiteru etc. wird einfach zu ausführlich beschrieben. Nun gut, manche Autoren brauchen solche Szenen – ich benötige sie nicht. Die Lösung des Romans hingegen ist einfach genial, auch wenn ich sie hier nicht beschreiben möchte, da ansonsten jedwede Spannung genommen wäre. Aber die Lösung ist genial. ;)

Ich wäre auch tatsächlich erpicht auf weitere Abenteuer Sanos, wenn ich mir sicher gehen könnte, dass seine sexuellen Erfahrungen im vierten Band zum ersten Mal auftauchen, dass vielleicht bei den anderen Bänden ein Lektor das Buch überflogen hat, bevor es erscheint und vor allem: Wenn der Schluss nicht so furchtbar gewesen wäre: „Natürlich wusste er, dass ein solch perfektes Glück nicht ewig währen konnte. Bald warteten neue, gefährliche Ermittlungen auf ihn, sowie der ständige Kampf um seine Position auf dem politischen Schlachtfeld des Tokugawa-Regimes und schlimme und weniger schlimme Krisen im Leben und Beruf.“ Diese beiden Sätze waren echt überflüssig – und furchtbar. Soll hier die Realität dargestellt werden oder nicht? Nun ja, es mag dieser typisch amerikanische Friede-Freude-Eierkuchen-Schluss gewesen sein und beim nächsten Band lasse ich dann einfach die letzte Seite aus.

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Verfasst von - 22. März 2007 in Bücher

 

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