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Timmerberg: Das Haus der sprechenden Tiere

25 Apr

Das Haus der sprechenden TiereMit dem Buch „Das Haus der sprechenden Tiere“ von Helge Timmerberg lag mir seit langem mal wieder ein deutsches literarisches Stück vor.
In dem Buch geht es um ein Ferienhaus einiger berliner und zugleich tierlieber Journalisten im Südwesten Marokkos, in dem sie alle Vierbeiner, die ihnen begegnen, unterbringen. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd von den tierischen Bewohnern des Hauses: Putzi, die schönste Katze von ganz Marrakesch beobachtet eifersüchtig, wie die Sultana Juliana – die bedauerlicherweise an einer Katzenallergie leidet – einen Frischling ins Haus bringt, der sich sofort an aller Menschen Aufmerksamkeit erfreuen darf. Doch mit seinen lieben Schweinsaugen und den kindlichen Fragen, die er ständig stellt, wie „Wollen wir gegen die Tür laufen spielen?“, „Wollen wir Pipi machen?“, „Wollen wir kuscheln?“ oder „Wollen wir träumen?“ hat er auch Putzi bald in seinen Bann gezogen und Putzi spielt bereitwillig das Kindermädchen für das Schwein. Das geht eine Weile ganz gut, bis sich Putzi in ihren katzischen Gewohnheiten gestört fühlt: Sie selbst als Einzelgängerin, kommt mit der Anhänglichkeit von Haluf, dem Wildschwein, nicht zurecht, die typisch für seiner Art ist. So scheint die Geschichte in einer ständigen Flucht zu enden, die Haluf als Spiel auffasst. Das nächste ist dann, dass Haluf vom Dach fällt; was genau auf dem Dach vorgefallen ist, weiß niemand genau, aber plötzlich fliegt das Schwein durch die Luft und bleibt dann im Koma auf dem Boden liegen. Putzi sitzt nebendran und schwört sich, sich bessern zu wollen. Denn wie es einmal so im Leben ist, stellt sich eine Person als große Liebe heraus, genau dann wenn man sie für immer verloren glaubt. Und so will Putzi auf ihre Reinlichkeit, auf ihre Nachtaktivität und auf ihren Einzelgängerinstinkt verzichten und ein Schwein werden, wenn Haluf noch einmal erwacht. Der erwacht auch tatsächlich und Putzi hält ihr Versprechen – für einen ganzen Tag. Tragischerweise wird die große Liebe daraufhin von außen gestört, weil jeder den Frischling niedlich, aber den ausgewachsenen Haluf unerträglich findet. Der wird also aus dem Haus geschafft und Putzi trauert. Mittlerweile ist Putzi zwölffache Mutter mit drei wechselnden Liebhabern. Doch ihr Herz gehört immer noch einzig und allein Haluf. Diesen, von dem die meisten glauben, er habe im Wirtshaus des Viertels ein schnelles Ende gefunden, erblickt später Rambo, das Streifenhörnchen, im Wald.
Gemäß Untertitel soll es sich bei dieser Geschichte um eine Fabel handeln, doch auch wenn ich mir eine ganze Woche den Kopf darüber zerbrochen habe, tat sich mir als einziges Merkmal einer Fabel die sprechenden Tiere auf. Und die können noch nicht einmal mit den Menschen in ihrem Haus sprechen. Nur auf dem Hausmeister ruht der Verdacht, die Tiere verstehen zu können. Der Autor ist seinen Worten nach der einzige, dem sich die vierbeinigen Hausbewohner geöffnet haben und den Beweis für die Richtigkeit seiner Geschichte liefert er in einem Schwarzweißphoto, auf dem man Putzi und Haluf im selben Körbchen liegen sieht. Eine Moral indes bleibt mir verborgen und die Tiere übernehmen auch kein menschliches Handeln: Haluf pisst einfach überallhin wo er geht und steht. Das dürfte als Beweis genügen. Was bleibt ist also nur eine nette Geschichte in gutem Stil, der alle Tiere allerdings in einem leicht nymphomanischen Licht darstellt, mehr aber auch nicht. Abgerundet wird die Geschichte vor allem vom im Anhang untergebrachten „Was wurde aus…?“, wo das Ende der meisten Tiere und einige Ergebnisse von Ideen, die im Buch vorgestellt wurden, erläutert werden.

Abschließend möchte ich gerne ein Gedicht von Chingachgook, dem letzten Chamäleon, rezitieren. Hier wird tatsächlich ein wahres literarisches Genie vorgeführt, dessen meiste Werke allerdings auf Blättern geschrieben standen, die – wirklich tragischerweise – zusammengekehrt und auf die Gasse befördert wurden.

DAS WESEN DER LIEBE
Baum ist Baum
Blatt ist Bett
Liebe ist Traum
Mal da, mal weg.

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Verfasst von - 25. April 2007 in Bücher

 

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