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Buchsucht in Buchhandlungen

26 Apr

Vor jedem ersten Mal ist man aufgeregt, so auch ich, als mein allererstes Praktikum anstand. Da ich mein halbes Pausenjahr nicht unnütz verbringen sollte wollte, kümmerte ich mich um einige Praktikumsplätze. Ich muss zugeben, dass mich die Vorstellung eines Praktikums nur wenig reizte und so verschaffte ich mir auch nur genau zwei Stellen.
Das erste Praktikum meines Lebens stand dann also in der Woche vom 26. bis zum 21. April an. Mit weichen Knien und einigen Erwartungen machte ich mich auf zur Buchhandlung Layaa-Laulhé. Einige Erwartungen, die sich aus Klischees gebildet hatten, trafen auch tatsächlich zu: Sechs Tage lang durfte ich die Praktikantenaufgaben wie das Kehren, Saugen, Spülen und Laufen übernehmen. Die Straße wurde gekehrt, der Laden gesaugt und das Frühstück des Chefs und der Chefin geholt und Bücher zu Kunden und zur Post gebracht. Aber selbst diese Aufgaben haben seltsamerweise Spaß gemacht. Ich durfte weiterhin Bücherregale ausräumen und sie neu ordnen. Eine wundervolle Aufgabe und ich kenne mittlerweile alle englischsprachigen Bücher der Buchhandlung. Ziemlich bescheuert war es anfangs, als ich dazu aufgefordert wurde, auch mal nach den Wünschen einiger Kunden zu fragen. Nachdem ich mich aber dann überwunden hatte und ihnen dann eventuell ein bestelltes Buch aus dem Fach geholt hatte, passierte dann nichts mehr. Die Kunden mussten trotzdem warten, bis jemand anderes Zeit für die Kasse hatte. An meinem dritten Tag dann war es endlich soweit und entgegen allen Erwartungen lernte ich das Umgehen mit der Kasse. Bis zum Schluss wusste ich, wie man bestellte und nichtbestellte Bücher in die Kasse eingab, was man macht, wenn jemand die Frechheit besitzt, drei Bücher gleichzeitig kaufen zu wollen, wenn jemand mit Karte bezahlen möchte oder auch mit einem Büchergutschein. Selbst der Umtausch kann mich nicht mehr schocken (immer einfach nach Britta rufen! ;) ) Da am 22.April noch Kommunionsfeiern stattfanden, konnte ich mittlerweile sogar die Leute beraten, die verzweifelt nach einem Kommunionsgeschenk suchten. Auch beim Buchbestellen hatte ich Fortschritte gemacht Ich war echt unschlagbar! Bis dann jemand einen Büchergutschein haben wollte oder das Buch verpacken ließ. Selbstverständlich kam es wie es kommen musste an meinem letzten Tag noch dazu, dass ich drei Bücher einpacken musste. Das war ganz schön peinlich, vor allem, weil ich mit dem Klebstreifen nicht zurechtkam. Büchergutscheine auszustellen lernte ich auch, wusste aber nicht, ob ich das als Aufforderung verstehen sollte, selbst welche zu schreiben. War gerade kein Kunde im Laden, durfte ich die Buchhandlung durchstreifen und mir jedes Buch anschauen und es mir einprägen. Dummerweise waren die meisten in Folie eingeschweißt, die ich mich nicht zu öffnen traute.
Die absoluten Renner waren eindeutig
1. Das Papstbuch (auch bei Amazon seiner Zeit Platz 1 in Büchern)
2. Das Pfirsichbuch von Heike Raab
Jeder dritte fragte nach diesen Büchern, wobei ersteres nie da war und wenn doch und gleich aus den Händen gerissen wurde. Es befand sich sogar schon im Nachdruck!
Während der Tage, die ich dort verbrachte, dachte ich immer wieder über einen triftigen Grund nach, kein Buchhändler werden zu wollen. Bis jetzt gibt es derer nur wenige:
1. Man verdient nichts
2. Gegen Amazon und das Internet haben Büchereien in Zukunft keine Überlebenschance
Ich glaube nicht, dass dieser Beruf jemals langweilig werden würde, denn anders als Bäcker, die jeden Tag dieselben Brötchen(sorten!) haben, die immer genau denselben Geschmack haben sollen, versucht der Buchhändler immer neue Bücher an den Mann zu bringen.

Auch wenn mir das Praktikum nicht auf meinem Weg einer Berufsfindung geholfen hat, hat es mir dennoch mancherlei Dienst erwiesen. Ich bin viel selbstbewusster geworden und traue mich nun auch fremde Leute nach ihren Wünschen zu fragen. Ich kann mittlerweile auch in verständlicher Lautstärke Guten Tag sagen und habe mich Dinge getraut, die ich sonst nie tun würde. Ich wurde an Orte geschickt, von denen ich nicht genau wusste wo sie waren (und mein Orientierungssinn ist gleich Null) und ich habe sogar ein Knöllchen bezahlt! Mir war das zwar trotzdem peinlich, aber nicht so peinlich, wie wenn es mein eigenes gewesen wäre.

Mir hat das Praktikum sogar so gut gefallen, dass ich noch kam, als ich gar nicht mehr kommen musste. Keiner konnte mich davon abhalten, samstags noch einmal hinzugehen, obwohl Dekar an diesem Tag aus Italien heimgekommen ist!! Da kaum ein Kunde kam, ging ich allerdings dann doch früher und machte mich auf den Weg zu ihm. Seitdem rede ich mit jedem, der es hören will, nur noch über Bücher, welche Bücher in der Auslage waren, welche auf Vorrat da waren etc. Ich bin buchsüchtig.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 26. April 2007 in Studium

 

Eine Antwort zu “Buchsucht in Buchhandlungen

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