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Houellebecq: Plateforme

09 Mai

plateformeEin oder zwei Bemerkungen vorab: Michel Houellebecq ist der Autor von « Les Particules élémentaires ». Wem das auch nichts sagt, dem erkläre ich kurz, dass Houellebecq derzeit der meistgelesene, aber auch meistumstrittene Autor Frankreichs ist. Die Islamkritik hat ihn sogar vor ein Gericht gebracht. In unseren letzten Französischstunden, wollte unsere Lehrerin mit uns ein zeitgenössisches Buch lesen und Houellebecq bot sich gerade dazu an. Gelesen hatte sie das Buch vorher nicht! Das ist wichtig, denn wenn sie es getan hätte, hätten wir uns das Buch garantiert nicht anschaffen müssen. Ich zitiere nur allzu gerne Bernhard , der zu Houellebecq meinte: „Houllebecq kommt mir manchmal vor, wie der Spruch vom Autounfall: “Man will nicht hin- kann aber auch nicht wegsehen”.“ So habe ich mich auch mit Mühe und Not durch das Buch gekämpft.

Nun aber zum Buch selbst: Der Protagonist, der wie der Autor auch auf den Namen Michel hört, beschließt sich dazu, eine Reise nach Thailand zu machen, nachdem sein Vater ermordet worden ist und er dessen Geld geerbt hat. Grosso modo passiert dort – 100 Seiten lang – überhaupt nichts, mit der einzigen Ausnahme, dass er Valérie kennen lernt, mit der er zusammen kommt, nachdem sie wieder zurück in Paris sind. Die beiden verbindet eine rein körperliche Liebe, die sie auch ständig ausleben. Der sonst so menschenscheue Michel und die ansonsten lesbische Valérie ziehen zusammen. Gegen Ende des Buches fahren die beiden noch einmal nach Thailand und beschließen, für immer dort zu bleiben. Es scheint alles super zu laufen, bis Michel Valérie durch eine Tragödie verliert.

Der, wie bereits erwähnt, etwas misanthropische Michel zeichnet sich dadurch aus, dass er besonders viel liest und alles an literarischen Werken zerpflückt, das ihm unter die Finger kommt. Kein Buch schneidet dabei gut ab. Zwischenmenschliche Beziehungen gelingen ihm nicht, nicht einmal zu richtigen Konversationen ist er imstande. Diese Unsicherheit fremden Menschen gegenüber, seine Voreingenommenheit scheint zwar vertraut, macht ihn aber nur um so unsympathischer. Auch seine einzig andere Leidenschaft, die Sexualität, mit der er – man glaube es oder nicht – tatsächlich Probleme hat. Neben den einzelnen Romanen, rechnet Michel noch mit der gesamten Menschheit ab. Er beschreibt den „tourisme sexuel“, erzählt beispielsweise ein paar menschenunwürdige Erlebnisse in Kriegen, kritisiert den Islam und beschwert sich ganz besonders über den „tourisme sexuel“. Zu wirklichen Gefühlen scheint Michel nicht fähig; er kommentiert einfach alles in neutralem Ton – sogar den Tod seines Vaters: „La mort remontait à trois jours, selon le médecin légiste. On aurait pu à l’extrême rigueur conclure à un accident, il aurait pu glisser sur une flaque d’huile ou je ne sais quoi. Cela dit, le sol de la pièce était parfaitement sec ; et le crâne était fendu à plusieurs endroits, un peu de cerveau s’était même répandu sur le sol ; on avait, olus vraisemblablement, affaire à un meurtre.“ Verdenken kann man ihm den teilnahmslosen Ton nur, wenn man die Umstände um die Entstehung des Buches weiß: Michel zieht sich für seine letzten Tage auf der Erde nach Pattaya zurück, meidet dort jegliche Kontakte, hat keine Lust mehr zu leben, was nicht bedeutet, dass er sterben möchte. So verfasst er seine Memoiren, was hinterher das Buch sein soll, das wir in Händen halten.

Wer Lust bekommen hat, das Buch zu lesen, der möge es lesen und sich hinterher darüber ärgern. Wirklich neue Einsichten bekommt man nicht, man ärgert sich höchstens über den Protagonisten. Empfehlenswert ist das Buch nur für solche, sie sich für abartige Perversionen der Sexualität interessieren und solche, für die die Frau auch am Hals abwärts beginnt. Dem Rest rate ich dringend dazu, das Buch einfach da stehen zu lassen, wo man es auch finden mag.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 9. Mai 2007 in Bücher

 

Eine Antwort zu “Houellebecq: Plateforme

  1. Momoko

    10. Mai 2007 at 20:44

    Na, das klingt ja toll -.-
    Jetzt weiß ich auf jeden Fall welches Buch ich nicht lesen werde.
    Aber dann weißt du wieder mehr gute Bücher zu schätzen, Kiya ;)

    Liebe Grüße,
    Momoko

     

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