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Mann: Buddenbrooks

01 Jun

cover mann th buddenbrooks bgMan sollte doch meinen, dass eine Größe wie Thomas Mann beim Schreiben nicht das sagt, was er meint, sondern seine Meinung hinter Bildern versteckt, wie Camus beispielsweise oder jeder Dichter, deren Gedichte in der Schule gelesen werden.
Nachdem ich das Buch „Buddenbrooks“ aber beendet hatte, musste ich sehr lange überlegen, was man in das Buch hineininterpretieren könne, bis mir aufkam, dass Mann garantiert genau das meint, was er auch schreibt. Hat er nicht in einem anderen Werk im Vorwort erwähnt, wie nett er fände, was seine Leser alles in seinen Büchern finden würden?
Das Buch selbst zeugt von wahrer Größe. Die Geschichte wird erzählt, logisch und den Leser ganz einnehmend. Zumindest ging es mir so, dass ich das Buch am liebsten Kapitelweise verschlungen, aufgefressen hätte. Ich konnte einfach nicht schnell genug lesen und abends musste ich mich leider nach meinen Augen richten, die ich irgendwann nicht mehr offen halten konnte. Sehr erfreulich: es handelt sich endlich mal um ein Buch ohne beschriebene romantische Liebesgeschichte. Sogar in Jugendbüchern taucht spätestens im dritten Band die große Liebe der Hauptperson auf. Furchtbar.
Thomas Manns Sprache ist lobenswert, nicht mit so genialen Wörtern und Wortspielen gespickt wie bei Grass, aber dennoch toll. Gewöhnungsbedürftig war das Deppenapostroph, das jedes Genitiv-S bei Namen schmückt, das aber rechtlich gültig ist, nur unhübsch aussieht. Außerdem gewöhnungsbedürftig sind manche eindeutig falsche sprachlichen Äußerungen, die aber immer zwischen Gänsefüßchen stehen, also Äußerungen von Romanfiguren sind, die es eben nicht besser wissen. Es zeigt auch Thomas Manns Gespür für die Sprache und verschiedenen Dialekte. Als gebürtiger Lübecker kann er natürlich den norddeutschen Dialekt nachahmen, aber er versteht sich auch aufs Bayerische vorzüglich.
Ich würde sagen, dass Thomas Mann zu einem meiner Lieblingsschriftsteller aufgerückt ist, aber das werde ich noch einmal überdenken, sobald ich ein weiteres Werk von ihm verschlungen habe.

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Verfasst von - 1. Juni 2007 in Bücher

 

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