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Sartre: Le diable et le bon dieu

28 Jun

11833605zLe diable et le bon dieu ist ein Theaterstück in drei Akten von Jean-Paul Sartre. Schauplatz der Handlung ist Deutschland des sechzehnten Jahrhunderts. Goetz, ein Bastard einer adligen Familie, verriet die Rebellion in Worms, an der er zunächst teilgenommen hatte und verriet außerdem seinen Bruder. Auch auf den Erzbischof möchte er jetzt nicht mehr hören und Worms einfach niederbrennen. Heinrich, ein Pfarrer, der bisher auf der Seite der Armen gestanden hat, verrät diese zugunsten der Kirche, als der Anführer der Armen, Nasty, ihn schlägt: Er überbringt Goetz den Schlüssel, der ihn den Weg nach Worms öffnet. Goetz freut sich zuerst auf das Massaker, wird dann aber von Heinrich davon überzeugt, dass das Gute in dieser Welt viel schwieriger zu verwirklichen ist als das Böse. Also macht Goetz in seiner Mentalität eine Kehrtwende und will nur noch Gutes tun: Er gibt den Armen sein Land und baut eine Stadt auf, in der die Liebe herrscht. Allerdings kann er die Aufstände nicht verhindern. Sein Dorf wird niedergebrannt, alle Einwohner sterben, weil sie sich weigern zu kämpfen. Als Heinrich lange Zeit als Eremit mit Hilda im Wald wohnt, treffen sich Goetz und Heinrich erneut. Goetz erkennt, dass es Gott nicht gibt und will leben. Er tötet Heinrich und sucht die Nähe der Menschen. Ab dem Zeitpunkt kämpft er wieder und führt das Heer der Armen an.
Das Hauptthema des Stückes ist die Religion. Auf wessen Seite steht Gott? Braucht man einen Pfarrer, um die Sünden loszuwerden? Wie leichtgläubig sind die Menschen? Ist Gott wirklich da? Ist er vielleicht blind? Woher weiß man, welcher Prophet die Wahrheit sagt, welcher nicht? Woher kann man selbst wissen, ob man Befehle von Gott oder vom Teufel erhält? Ist der Teufel ein Geschöpf Gottes und muss diesem damit gehorchen? Warum gibt es das Böse auf der Welt? Ist Gott tot? Möchte Gott, dass wir einen heiligen Krieg führen? Ist es richtig, sieben Jahre Blut zu vergießen, um das Reich Gottes aufzubauen oder sollte man das allein und sofort mit Liebe tun? Warum bringt die Liebe nur Unglück, wo doch Gott die Liebe ist?
Viele Fragen werden von Sartre aufgeworfen, letztendlich gibt er eine einzige Antwort auf alle Fragen. Jeder der weiß, welche Theorie Sartre vertritt, wartet natürlich das ganze Theaterstück auf den Existentialismus: Gott existiert nicht. Der Mensch ist für sein Schicksal selbst verantwortlich. Goetz erkennt das, als er sich bewusst wird, dass er alles nur in seinem, nicht in Gottes, Namen getan hat. Um sein Reich der Liebe aufzubauen hat er die Leute durch einen Trick von sich als Propheten überzeugt. Die sterbende Catherine, die von Dämonen geplagt wird, erlöst er, indem er mit dem Messer seine Hände zum Bluten bringt und behauptet, ein Wunder sei geschehen: Die Wunden Christi und dessen Blut seien bei ihm zu sehen.
Sartres Fragen betreffen mich auch. Ich frage mich dieselben Fragen auch oft genug. Aber der Existentialismus ist für mich keine Antwort darauf. Ich finde den Existentialismus ungenügend und deshalb hat das Theaterstück letztendlich für mich keine Aussagekraft. Man kann nur versuchen, seine eigenen Antworten aus dem Text zu lesen oder neue Fragen zu finden. Letztendlich ist sich im Buch niemand treu geblieben. Nasty belügt seine Armen, Heinrich ist kein Pfarrer mehr und läuft nur noch mit dem Teufel durch die Gegend. Jeder ist ein Verräter und am Ende allein, obwohl sich jeder anfangs sicher war, er sei der Auserwählte Gottes.

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Verfasst von - 28. Juni 2007 in Bücher, Sprache

 

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