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Deutsch-Französische Studien

17 Jul

Gestern war die Aufnahmeprüfung für die Deutsch-Französischen Studien in Bonn. Allen, die für mich Sorgen und Ängste ausgestanden haben, muss ich natürlich erzählen, was da alles passiert ist – und falls es solche Leute gar nicht gibt, teile ich mich einfach denjenigen mit, die es interessiert.
Rund 200 Bewerber gab es. Zur Erinnerung: Für die Deutsch-Französischen Studien werden jährlich nur 20 Studenten angenommen. Diese 200 Leute wurden allesamt in zwei Hörsäle gestopft, wo sie sich zunächst einer schriftlichen Prüfung unterziehen mussten. Die erste halbe Stunde wurde ein Diktat geschrieben. Diktiert wurde ein wirklich kurzer Zeitungsartikel. Es folgte eine Übersetzung vom Französischen ins Deutsche. Eine halbe Stunde hatten wir auch hier Zeit für einen Siebenzeilentext. Von einer solchen Prüfung erwartet man, dass Vokabelkenntnisse abgeprüft werden, doch die Vokabeln waren echt absolut lachhaft. Wer hier auch nur eine Vokabel nicht kannte, konnte unmöglich fünf Jahre Französische gelernt haben. Es muss also viel mehr um die Gewandtheit der deutschen Sprache gegangen sein. Es folgte als dritter Teil Fragen zur deutschen und französischen Kultur. Die vier französischen Fragen („Nennen Sie drei Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2007“ „Nennen Sie drei Paare von Kanzler und Präsident, die zusammengearbeitet haben“ „Nennen Sie zwei Werke Camus'“ „Nennen Sie zwei französische Firmen und deren Produkte“) konnte fast jeder problemlos beantworten. Schwierig wurde es bei den vier deutschen Fragen: 1. Wer ist der Verfasser von „Der Mann ohne Eigenschaften“? 2. Wer ist Jürgen Habermas? 3. Erläutern Sie anhand von zwei Beispielen den Unterschied zwischen einem Genitivattribut und einem Genitivobjekt.. 4. Erläutern Sie den Unterschied des Gebrauchs der Personlapronomina (ich, du, er/sie/es, usw.) im Französischen und im Deutschen.
Fast jeder hatte wohl nach diesem schriftlichen Test das Gefühl, keine Chance mehr zu haben, bis man allgemein feststellte, dass kaum einer die Fragen beantworten konnte. Die Gespräche fanden dann im Laufe des Nachmittages statt. In Fünfergruppen setzte man sich jeweils fünfzehn Minuten zu einem Germanisten und einem Romanisten, die die Fragen stellten. Draußen hatten die höheren Fachsemester der Deutsch-Französischen Studien derweil Getränke, Knabberzeugs und Gummibärchen bereitgestellt und beantworteten bereitwillig alle Fragen der Prüflinge.
Die Fragen in den Prüfungen waren- zu meinem größten Erstaunen – fast alle auf deutsch. Als erstes sollte man sich kurz vorstellen, sagen, wie lange man Französische gelernt hat und warum man unbedingt diesen Studiengang studieren will. Der Germanist fragte uns dann nach unseren Leseneigungen und der Romanist (auf französisch) nach unserem Lieblingsbuch in französischer Sprache. Die nächste Frage war, welcher deutsche Autor denn besonders von Frankreich oder welcher französische besonders von Deutschland beeinflusst worden wäre. Die Höhepunkte der französisch-deutschen Beziehung sollten genannt werden und zum Schluss die eigene Meinung darüber preisgegeben werden, ob die enge Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich in der EU überhaupt beibehalten werden sollte oder ob man sich nicht lieber der ganzen EU öffnen solle. Danach wurde meine Gruppe zumindest wieder entlassen. Es wurde natürlich nicht bei jeder Gruppe dieselben Fragen gestellt, oftmals kamen aber ähnliche Fragen vor.
Eine wirkliche Allgemeinbildung wurde meinem Gefühl nach nicht abgeprüft. Na gut, Habermas hätte man kennen können, aber Musil ist meiner Meinung nach Spezialbildung.

Innerhalb der nächsten Woche erhalten wir Nachricht von der Universität, ob wir aufgenommen worden sind oder nicht. Ehrlich gesagt habe ich wirklich keine Ahnung, ob ich Chancen für eine Aufnahme habe oder nicht. Ich kann es nicht beurteilen.

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5 Kommentare

Verfasst von - 17. Juli 2007 in Erlebtes, Studium

 

5 Antworten zu “Deutsch-Französische Studien

  1. loewenzahn

    19. Juli 2007 at 06:18

    Oh, ich hab sowas von gespannt auf deinen Bericht gewartet!! Ich hab den ganzen Tag immer mal wieder an dich gedacht und dir die Daumen gedrückt. Ich behalt das dann jetzt noch bei, bis du den Bescheid bekommen hast ;)

    Mensch, ich bin so gespannt! Ich wünsch dir von Herzen, dass du einen Platz bekommst

    Und sag mir Bescheid, wenn du mal wieder in Bonn bist! Hier bricht zwar bald das Ausmist-Chaos aus, aber egal…

    Ganz liebe Grüße
    vom Loewenzahn aka Kuhblume

     
  2. Kiya

    19. Juli 2007 at 08:33

    Hey Loewenzahn!
    Das ist ja nett von dir, dass du an mich gedacht hast. :) Ich hoffe, dass die Universität möglichst bald die Ergebnisse verschickt.
    Theoretisch könnte ich Samstag ganz leicht nach Bonn kommen. Da ist nämlich Flohmarkt und meine Eltern fahren da immer hin. Tragischerweise muss ich natürlich auf der Burg arbeiten (Freude! -.-). Trotz Burg habe ich aber immer noch viel Zeit. Nach Bonn komme ich aber nur noch, um dich zu besuchen. hehe Ich freue mich schon drauf! Ich kann eigentlich fast jederzeit kommen. Welcher Tag ist dir denn am liebsten? (Ich sehe schon: Daran, dass wir keinen Termin finden, wird es scheitern. ;) )

    Gruß :)
    Kiya

     
  3. Charlie

    19. Juli 2007 at 23:42

    Huhu Kiya,
    ich habe erst danach von Dekar erfahren, dass du deine Aufnahmeprüfung hattest, aber dann hab ich viel an dich gedacht :S
    Ich wusste garnicht, dass eine Aufnahme so schwierig ist.
    Zu den deutschen Fragen dachte ich mir Ähnliches: Von Musil habe ich nie gehört und desweiteren war er Österreicher.
    Mich kannst du im Übrigen auch mal gerne besuchen kommen, da ich ja recht oft in Bonn bin. Am Montag war ich übrigens auch da ;)
    Ich wünsche dir auf jeden Fall ungemein, dass du den Studienplatz bekommst, aber ich denke auch, dass das nicht unwahrscheinlich ist.

    Liebe Grüße :)
    Ria

     

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