RSS

Wurstbrote gehören nicht auf den Kompost!

29 Mrz

Mülltrennung ist ein Krampf, wenn man sie mit seinen Nachbarn zusammen begehen muss. Das habe ich und mit mir wohl viele andere Menschen irgendwann einsehen müssen.

Aufgewachsen bin ich in einem normal-deutschen Haushalt mit vier Mülleimern in der Küche: für Papier, Plastik, Restmüll und natürlich unseren Kompost im Garten. Tatsächlich standen wir als Kinder öfter ratlos vor den verschiedenen Eimern und sahen unsere Eltern fragend an. Irgendwie ist man dann allerdings einfach in dieses System der Mülltrennung hineingewachsen. Dass es nicht das Natürlichste der Welt ist, wurde mir zum ersten Mal bewusst, als eine französische Austauschschülerin, ratlos auch sie, vor den verschiedenen Eimern stand. Sie hat über uns Deutsche nur den Kopf geschüttelt. Gleichzeitig weiß ich noch, wie hilfesuchend ich in Frankreich vor der einen vorhandenen Tonne stand und es nicht über mich brachte, den Plastikbecher zu den Speiseresten zu werfen.

Mittlerweile gibt es auch in Frankreich Mülltrennung. Eigentlich hätte ich als Deutsche die besten Voraussetzungen dafür haben müssen, ohne größere Anstrengungen die vorzeigbarste Mieterin in dieser Hinsicht zu werden. Aber ich stand wer weiß wie lange vor den verschiedenen an die Wand gepinnten Plakaten, um das geltende System zu verstehen. Plastik und Papier kommen zusammen in eine Tonne. Aber man darf keine Müllbeutel hineinwerfen. Pas de sac dans le bac, sondern alles bitteschön en vrac. Angeblich sind die Mülltüten nämlich alle nicht recyclebar. Können wir vielleicht doch noch etwas von den Franzosen lernen?

Wie dem auch sei, als ich eines schönen Tages mein elterliches Nest verließ, um mich in einer fernen WG niederzulassen, hätte ich nie gedacht, dass das Thema Müllsortieren ein Problem werden könnte. Natürlich hat auch niemand den Müll runtergebracht, was vor allem in den Sommermontaen nicht gerade appetitlich war. Aber das wirkte nicht halb so befremdlich auf mich wie die Versuche fünf verschiedener Personen, den Müll auf fünf verschiedene Weisen zu trennen. Wurstbrot im Kompost? Alufolie einfach überall? Nun ja, man gewöhnt sich schließlich an alles.

Mittlerweile teilen wir unsere Müllcontainer mit elf anderen Mietparteien und anscheinend hat jeder seine eigene Vorstellung von der Mülltrennung. Da die schwarzen gleichzeitig die kleinsten Tonnen sind, scheinen diese anscheinend recht ungeeignet zu sein, den meisten unsortierten Kram zu schlucken. Gebrauchte Babywindeln im Papiercontainer? Na klar! Glas beim Plastik? Sowieso! Am schlimmsten war allerdings die Sache mit dem riesigen Biocontainer. Als wir herzogen war das Ding mit allem Möglichen angefüllt: Autoreifen, Radkappen, Kleidung, Pfandflaschen, Papier und Plastik, Styropor und wer weiß was sonst noch für einem Dreck. Das arme Ding wurde sondergeleert und mit einem Vorhängeschloss versehen.
Eigentlich sollte mich so etwas wie die Mülltrennung der anderen Mietparteien nichts angehen, aber ich bekomme trotzdem Bauchweh, wenn ich das Chaos in den Tonnen sehe. Wenn ich einmal groß bin, muss ich in ein Einfamilienhaus einziehen, nur um meine eigenen Mülltonnen vor dem Haus stehen zu haben.

Advertisements
 
9 Kommentare

Verfasst von - 29. März 2012 in Allgemein, Erlebtes, Gedanken

 

Schlagwörter: , , ,

9 Antworten zu “Wurstbrote gehören nicht auf den Kompost!

  1. calichino

    29. März 2012 at 14:14

    Gefällt mir dein Beitrag! Und ich kann dich sehr gut verstehen, wo wir wieder bei der Ignoranz mancher Menschen wären. Es interessiert sie einfach nicht. Aber dass selbst die Nicht-Trennung in Deutschland noch besser ist als die normale Müllentsorgung in anderen Ländern habe ich in Russland gesehen. *Cali schlägt die Hände über dem Kopf zusammen* Ich bin aber erst gestern selbst an meine Mülltrennungskenntnisgrenzen gestoßen- wie entsorgt man Feuerzeuge? :-) Viele Grüße, Cali

     
    • Kiyachan

      29. März 2012 at 15:13

      Feuerzeuge? Gute Frage. Googlerecherchen haben ergeben, dass man sie einfach in die Restmülltonne tun soll. Hm.. :/

      Ignoranz anderer Menschen – jaja. Wir könnten eine Werbekampagne pro Mülltrennung starten. Oder wir stellen uns mit dicken knüppeln vor die Mülltonnen und gucken drohend. ;)

       
    • calichino

      29. März 2012 at 15:15

      :-D *Cali kugelt sich* Also ich kann so viel sagen: Ich sehe nicht sehr angsteinflößend aus. Also entscheide ich mich für die Kampagne. ;-)

       
  2. Mascha

    29. März 2012 at 14:33

    Ich kann Deinen Frust verstehen. Bin auch mit der Mülltrennung groß geworden und finde es auch schlimm zu sehen, wenn manche Personen einfach alles zusammenknallen…..das Bewusstsein für die Welt ist einfach nicht da…..traurig…

     
    • Kiyachan

      29. März 2012 at 15:16

      Ist Österreich in der Hinsicht also genauso penibel wie Deutschland? Herrlich! :D

       
    • Mascha

      29. März 2012 at 15:51

      Nicht ganz so wie in Deutschland…aber so schlimm wie Indien ist es nicht ;)

       
    • Kiyachan

      30. März 2012 at 06:17

      Oh, das kann ich mir vorstellen! ;D

       
  3. Alex

    30. März 2012 at 12:38

    Der letzte Satz klingt fast wie in der Werbung: „Papa, wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden!“ ;)
    Aber ich kann deinen gerechten Zorn sehr gut verstehen.

     
    • Kiyachan

      30. März 2012 at 14:20

      Gerechter Zorn! Du sagst es! ;)

       

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: