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Archiv der Kategorie: Bücher

Vater der Kindheit

Hach, was habe ich sie geliebt, die kleine Hexe, das kleine Gespenst und den Räuber Hotzenplotz. Krabat hat mich fasziniert und mich zu meinem allerersten Referat in der Grundschule inspiriert, der starke Wanja mich ermutigt, meinen Weg zu gehen. Die Bücher, die Hörspiele… sie waren in meiner Kindheit da – und nun ist ihr Schöpfer, Otfried Preußler, gestorben.

Nicht nur als Kind haben mich seine Bücher fasziniert, vor einigen Jahren entdeckte ich neue Bücher von ihm, habe mir den „Engel mit der Pudelmütze“ angehört und mich schlapp gelacht als ich „Die Flucht nach Ägypten. Königlich böhmischer Teil“ gelesen habe. Am Ende meines Bachelorstudiums stand für mich fest: Otfried Preußler wird im Zentrum meiner Masterarbeit stehen. Den Gedanken hatte ich mittlerweile aus den Augen verloren und frage mich natürlich, ob dies nicht ein Anlass ist, wieder darüber nachzudenken.

Richtig sentimental werde ich gerade, wenn ich über die Theaterbesuche der letzten paar Jahre nachdenke und mir vor allem „Krabat“ und „Der Räuber Hotzenplotz“ von dem Jungen Theater Bonn einfallen. Otfried Preußler ist der geheime Held hinter den Helden meiner Kindheit und der vieler anderer Kindheiten möchte ich wetten.

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Verfasst von - 21. Februar 2013 in Allgemein, Bücher, Erlebtes

 

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Bio – auch für mich?

Ein Glücksgriff in der Bibliothek war der nach dem Buch „Arm aber Bio“ von Rosa Wolff. Mit dem Status Studentin gehöre ich einfach grundsätzlich in die Kategorie „wenig Geld“ – und natürlich auch zu der Zielgruppe für Bioprodukte. Also wollte ich mal sehen, was Frau Wolff mir da zu sagen hat.

Die Autorin arbeitet als freie Journalistin und muss plötzlich von Hartz IV leben, als die Zeitschrift, für die sie geschrieben hat, eingestellt wird. Daraufhin startet sie einen Versuch, um herauszufinden, ob man mit dem Geld, das nach Aufschlüsselung des Regelsatzes fürs Essen vorgesehen ist, auch ausschließlich mit Bioprodukten überleben kann. Der Regelsatz ist zwar seit dem Jahr 2009 um 23€ gestiegen (auf mittlerweile 374€/Monat), aber wenn man umrechnet, wie viel pro Tag für Essen ausgegeben werden darf (Wolff hat einen Tagessatz von 4,35€ ausgerechnet), wird sich bei dem Betrag nicht viel tun.
Wahrscheinlich verliert das Buch nicht besonders viel an Spannung, wenn ich an dieser Stelle schon vorwegnehme, dass sie ihren Selbstversuch schafft und fast im vorgesehenen Budgetrahmen bleibt. Respekt an die Autorin, denn sie musste im Wonnemonat Mai fast komplett auf Erdbeeren und Eis verzichten, um ihre Bilanz nicht ganz kaputt zu machen. Das Buch erzählt hauptsächlich von ihren Einkäufen, dem Preisvergleich, vom Kochen und vom Essen. Dabei achtet sie in der Tagesbilanz nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf ausreichend Kalorien und auf genügend Obst und Gemüse. Ihr Richtwert heißt nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: dreimal 125g Gemüse und zweimal 125-150g Obst am Tag. Letzteres Ziel erreicht sie nicht, was aber auch an der Abstraktheit solcher Richtwerte liegen mag. 125g, das ist ein halber großer Apfel. Auch mit der Kalorienzahl tut sie sich schwer, begeht aber nur einmal die Verzweiflungstat, die fehlenden Kalorien mit jeweils einem Löffel Zucker im Tee zu kompensieren.

Die meiste Zeit habe ich mich gewundert, dass Wolff über den knurrenden Magen schimpft, denn für mich schienen die Portionen wirklich gut bemessen zu sein. Irgendwann ist mir dann aber aufgegangen, welch schwierige Aufgabe sie sich da vorgenommen hat: Einerseits möchte sie zwar armen Menschen zeigen, dass man durchaus auch ausschließlich von Bioprodukten leben kann und dass es somit keine Ausrede gibt, zu den Billigprodukten zu greifen. Gleichzeitig möchte sie natürlich nicht das Bild vermitteln, vom Harzt IV-Satz ließe sich viel zu gut leben, so dass die Sparte der Kürzungsbefürworter weiteren Zulauf erhielten. Ein schwieriger Spagat. Nicht zuletzt überzeugt hat mich das Buch durch die Entdeckung, dass alle Rezepte, die im Buch gekocht und ausprobiert werden, auch im Anhang noch einmal zu finden sind. Die Rezepte sind für ein bis zwei Personen gedacht, haben wenige und eher alltägliche Zutaten und sind meistens vegetarisch. Einziger Wermutstropfen beim Thema Vegetarismus ist für mich Thema Eisen, von dem ich anscheinend nie genug bekomme. Als Zusatzinformation listet Wolff „Die besten günstigen Lebensmittel“ auf und nenntt dazu noch die wichtigsten Inhaltsstoffe, wie Vitamine oder Ballaststoffe. Das einzige Produkt mit dem Zusatz „Eisen“, ist in dieser Liste der Apfel. Nun dann. Nichtsdestotrotz schafft Wolff es, einfache Zutaten ohne großen Aufwand zu richtig leckeren Speisen zu verarbeiten. Es gibt mittlerweile sogar noch ein Kochbuch dazu, mit 118 weiteren Rezepten. Beides habe ich mir mittlerweile angeschafft. Wirklich, ich bin begeistert!

Auf jeden Fall hat Rosa Wolff mein Leben verändert, denn ich koche wieder öfter selbst, koche variantenreicher, habe wieder ständig Obst und Gemüse daheim und scheue mich auch nicht mehr davor, auch mal etwas teurere Produkte (dafür mit hoffentlich hoher Qualität!) aus dem Biosupermarkt mitzunehmen. Ich glaube, ich bin in die Fänge einer Sekte geraten.

 
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Verfasst von - 6. Juni 2012 in Allgemein, Bücher, Erlebtes, Gedanken

 

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Ein Fluß rauschte beständig aus der Tiefe…

Postapokalyptische VisionLandschaftsbeschreibungen in der Literatur sind meist Passagen, die man gerne überspringt. Besonders über Karl Mays Bücher heißt es: Und dann habe ich dreißig Seiten weiter geblättert, bis die Geschichte weiterging. (Wobei ich selbst stolz verkünden möchte, dass ich mich durch solche Passagen gekämpft habe! Allerdings fand ich sie langweilig und daher haben sie mir keinen Mehrwert eingebracht…) Muss ich ein Buch schnell lesen, überspringe ich solche Stellen übrigens auch, weil sie nicht zur Handlung beitragen. Ein Professor hat allerdings bereits mehrfach erklärt, dass man das nicht tun solle, weil man gerade in den Landschaftsbeschreibungen eine besondere Botschaft über das Buch finden könne.
Da ich mich aber immer noch mit der Bedeutsamkeit von Landschaftsgemälden in der Literatur schwertue, stelle ich hier kurz einige Gedanken vor, die mir ebenjener Professor versucht hat einzupflanzen.

Es gibt drei Arten von Landschaftsgemälden. Die klassichen zwei, das sind der locus amoenus und der locus terribilis. Der locus amoenus stellt die schöne Natur dar, mit Bäumen, Flüsschen und sanften Hügeln. Die Natur hat hier nichts Erschreckendes, sie ist durchsichtig und transparent. Dagegen zeigt der locus terribilis die erhabene Natur: Sie ist gefährlich, undurchsichtig und wild. Der dritte Landschaftstyp ist eine Mischung dieser beiden Formen, nämlich der pittoreske Landschaftstyp. Die Grundlage dazu bildet der schöne Raum, der vom Menschen nach seinen Vorstellungen gestaltet worden ist, dann aber von der Natur zurückerobert wurde. Sie ist wirr und soll dem modernen Leser klarmachen, dass die Natur weder schön noch erhaben ist. Sie ist eben ein Wirrwarr, in dem man sich erst zurechtfinden muss. Man durchschaut die Natur nicht mehr, steht ihr sozusagen hilflos gegenüber.

Ob mir diese Erkenntnisse beim Verständnis einiger Texte helfen können, bleibt abzuwarten. Das nächste Mal, wenn ich auf Landschaftsbeschreibungen stoße, muss ich einfach mal daurauf achten, um welchen Typus es sich handelt und was sich dahinter verbirgt. Vielleicht ist es eine ganze Poetologie.

Mich hat die Schilderung pittoresker Landschaften übrigens an Bilder von postapokalyptischen Visionen in Japan erinnert. Auch hier werden von Menschen gestaltete Plätze dargestellt, die sich die Natur zurückerobert hat, nachdem die Menschen verschwunden sind. Einfach wunderschöne Bilder, die etwas Trauriges und Beruhigendes zugleich ausstrahlen.

 
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Verfasst von - 19. April 2012 in Bücher, Gedanken, Studium

 

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Sie ist fertig!

HausarbeitsbergIch habe es geschafft! Immer wieder bin ich verzweifelt, immer wieder dachte ich, es wird niemals so weit sein. Aber alles hat einmal ein Ende und das meiner Hausarbeit kam rascher als ich es an dem Tag selbst sogar angenommen hatte. Nachdem ich ein ganzes Jahr lang über mein Wunschthema nachgedacht hatte und mir endlich eines eingefallen war, wollte ich die Arbeit schnell hinter mich bringen. Doch drei selbstgesetzte Fristen (Anfang Februar, Ende Februar, Anfang März) wurden nicht eingehalten. Es hätte mich nicht gewundert, wäre sie auch Ende März nicht fertig gewesen.

BücherstapelLetzten Donnerstag war es dann so weit. Der letzte Satz wurde geschrieben und die Arbeit ging auf Korrekturlesereise. Sie umfasst insgesamt stolze 26 Seiten und mein langes Literaturverzeichnis hat mich am Ende selbst überrascht, da ich zumindest in meiner Erinnerung kaum etwas gelesen habe.

Die Bibliotheksbücher habe ich alle gesammelt zurückgebracht und bis Semesterbeginn (am kommenden Montag) wird mein Benutzerkonto erst einmal auf null Ausleihen stehen. Der schwierigste Schritt steht jetzt allerdings noch an: Arbeit ausdrucken, darauf hoffen, dass alle Tippfehler ausgemerzt wurden, sie dann abgeben und auf die Bewetung warten.

Aber vorher sing, tanze und schwebe ich noch ein wenig durch die frühlingshaft erleuchteten Räume meiner Wohnung.

 
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Verfasst von - 28. März 2012 in Allgemein, Bücher, Erlebtes, Studium

 

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Mastrocola: Ich dachte, ich wär ein Panther

225882004 813cc2574a tWoher weiß eine Ente eigentlich, dass sie eine Ente ist? In Paola Mastrocolas kurzem Roman „Ich dachte, ich wär ein Panther. Die Geschichte einer Ente auf der Suche nach sich selbst“ macht sich eine kleine Ente auf den Weg auf der Suche nach der eigenen Identität. Und sich selbst zu finden ist nicht so einfach, wie man vielleicht denkt.
Protagonistin ist eine kleine gefiederte Ente, die in einem Pantoffel geboren wird und diesen kurzerhand also für ihre Mutter hält, beziehungsweise sich für einen Pantoffel – bis jemand auftaucht, der dieses anzweifelt. Doch wahrhaft auf die Suche nach einer Identität begibt sich die Ente erst, als ihre Mutter, der Pantoffel, verschwindet, gestohlen wird. Eine einsame Suche beginnt: Ist sie ein Biber? Eine Fledermaus? Oder doch eine Ente?
Das Buch ist in einem etwas kindlichen Stil verfasst, der ob seiner Einfachheit besonders zu Beginn daran zweifeln lässt das Geld für ein sinnvolles Buch ausgegeben zu haben, doch die Geschichte macht den Stil wett: Wirklich rührend und niedlich ist die Erzählung, ab und zu gespickt mit einigen gesellschaftskritischen und philosophischen Sentenzen, die auch der Leser sich zu Herzen nehmen kann:
Oder es kam nicht darauf an, dass diese Ente die Liebe seinen Lebens war, weil es selten eindeutig ist, wer oder was die Liebe eines Lebens ist. Oder aber er dachte genau das, aber ohne Überzeugung. Manchmal denken wir an etwas, ohne recht davon überzeugt zu sein, und wenn wir nicht recht davon überzeugt sind, macht es plopp!, und die Gedanken sind dahin…
Oder aber das Leben ist einfach so, und es gibt den richtigen Zeitpunkt nicht, es hat einfach nicht sollen sein, und es ist eine Legende, dass wir bestimmen können, wie es zu sein hat, es ist einfach, wie es ist
.“
Bei der selbständigen Suche nach einer Identität, kann das Buch nicht viel helfen, doch es hilft dabei, zu verstehen, dass oft nicht einmal die, die ihre Identität gefunden zu haben glauben, tatsächlich wissen, wer oder was sie sind.
Wer eine kurze Auszeit von komplizierterer Lektüre braucht oder sich zur Abwechslung mal mit einfach philosophischen Fragen konfrontiert sehen möchte, dem kann ich das Buch nur empfehlen, auch wenn man vielleicht warten sollte, bis das Buch als Taschenbuch erscheint, wenn man nicht gerade einen Büchergutschein hat.

 
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Verfasst von - 4. April 2008 in Bücher

 

Sartre: Huis clos

41VVMX4XWBLHuis clos“ ist ein Theaterstück in einem Akt von Jean-Paul Sartre.

In einem Zimmer, der Hölle, treffen sich nach ihrem Tod der Journalist Gastin, die lesbische Postangestellte Inès und die Frau von Welt Estelle. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, warum gerade sie in ein Zimmer einquartiert wurden und was nun geschehen wird. Zu Lebzeiten haben die drei sich nie gesehen, kommen aus unterschiedlichen Regionen und Milieus. Zunehmend verstricken sich die drei in gegenseitige Abhängigkeit und gegenseitigen Hass: Inès verliebt sich in Estelle, die aber nur von einem Mann begehrt werden möchte. Sie ist bereit, alles zu sagen was Gastin hören möchte, damit er sie liebt. Gastin jedoch braucht eine ernst gemeinte Bestätigung dafür, dass er kein Feigling ist, die er sich von Inès erhofft, die ihm aber zu verstehen gibt, dass sie ihn gerade für einen solchen hält. Sie hören nicht auf, sich gegenseitig zu verletzen und irgendwann erkennt Gastin: „l’Enfer, c’est les autres„, die Hölle, das sind die anderen. „Le bourreau, c’est chacun de nous pour les deux autres.“ (Inès, scèneV) – jeder ist der Folterknecht der beiden anderen.

Wieder einmal sucht der bescheidene Leser im Text nach Sartres Existentialismus: Jeder Mensch ist für sein Schicksal selbst verantwortlich.
Zumindest ich habe aber das Gefühl, dass Huis clos genau an dieser Theorie vorbeisteuert, denn alle drei, Gastin, Estelle und Inès bereuen nichts in ihrem Leben. Sie haben ihr Leben genossen und meinten – zumindest ihr Leben über – sich vor sich selbst rechtfertigen zu können. Nun ist das Leben vorbei, sie können nichts mehr ändern, sind jetzt aber unglücklich und verzweifeln aneinander. Existentialismus ist das für mich nicht und so frage ich, wo denn dann die Moral stecken mag.

Es bleibt letztendlich nur noch die Erkenntnis, dass die Hölle die anderen sind. Überträgt man das auf die noch Lebenden, kann klar werden, was vielleicht gemeint ist: Jeder ist im Leben von anderen Menschen abhängig, die ihnen sagen, dass sie toll sind, dass sie gut aussehen, dass sie kein Feigling sind, dass alles, was sie tun so richtig ist. Indem man das tut, gibt man den anderen Menschen Macht über sich selbst und damit auch den Maßstab für das eigene Wertgefühl. Die Konsequenz also wäre, seinen eigenen Wert selbst zu messen und festzulegen, ohne die Bestätigung anderer zu brauchen, was immer ein gut gemeinter Ratschlag ist, denn wahrscheinlich ist jeder von mindestens einem anderen Menschen in einem solchen Maße abhängig. Je abhängiger wir aber sind, desto schwieriger wird es auch, sich von ihnen zu trennen – Selbst wenn die Türe der Hölle geöffnet wird, können wir nicht fliehen, weil wir die anderen brauchen.

 
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Verfasst von - 24. März 2008 in Bücher, Gedanken

 

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Sartre: Le diable et le bon dieu

11833605zLe diable et le bon dieu ist ein Theaterstück in drei Akten von Jean-Paul Sartre. Schauplatz der Handlung ist Deutschland des sechzehnten Jahrhunderts. Goetz, ein Bastard einer adligen Familie, verriet die Rebellion in Worms, an der er zunächst teilgenommen hatte und verriet außerdem seinen Bruder. Auch auf den Erzbischof möchte er jetzt nicht mehr hören und Worms einfach niederbrennen. Heinrich, ein Pfarrer, der bisher auf der Seite der Armen gestanden hat, verrät diese zugunsten der Kirche, als der Anführer der Armen, Nasty, ihn schlägt: Er überbringt Goetz den Schlüssel, der ihn den Weg nach Worms öffnet. Goetz freut sich zuerst auf das Massaker, wird dann aber von Heinrich davon überzeugt, dass das Gute in dieser Welt viel schwieriger zu verwirklichen ist als das Böse. Also macht Goetz in seiner Mentalität eine Kehrtwende und will nur noch Gutes tun: Er gibt den Armen sein Land und baut eine Stadt auf, in der die Liebe herrscht. Allerdings kann er die Aufstände nicht verhindern. Sein Dorf wird niedergebrannt, alle Einwohner sterben, weil sie sich weigern zu kämpfen. Als Heinrich lange Zeit als Eremit mit Hilda im Wald wohnt, treffen sich Goetz und Heinrich erneut. Goetz erkennt, dass es Gott nicht gibt und will leben. Er tötet Heinrich und sucht die Nähe der Menschen. Ab dem Zeitpunkt kämpft er wieder und führt das Heer der Armen an.
Das Hauptthema des Stückes ist die Religion. Auf wessen Seite steht Gott? Braucht man einen Pfarrer, um die Sünden loszuwerden? Wie leichtgläubig sind die Menschen? Ist Gott wirklich da? Ist er vielleicht blind? Woher weiß man, welcher Prophet die Wahrheit sagt, welcher nicht? Woher kann man selbst wissen, ob man Befehle von Gott oder vom Teufel erhält? Ist der Teufel ein Geschöpf Gottes und muss diesem damit gehorchen? Warum gibt es das Böse auf der Welt? Ist Gott tot? Möchte Gott, dass wir einen heiligen Krieg führen? Ist es richtig, sieben Jahre Blut zu vergießen, um das Reich Gottes aufzubauen oder sollte man das allein und sofort mit Liebe tun? Warum bringt die Liebe nur Unglück, wo doch Gott die Liebe ist?
Viele Fragen werden von Sartre aufgeworfen, letztendlich gibt er eine einzige Antwort auf alle Fragen. Jeder der weiß, welche Theorie Sartre vertritt, wartet natürlich das ganze Theaterstück auf den Existentialismus: Gott existiert nicht. Der Mensch ist für sein Schicksal selbst verantwortlich. Goetz erkennt das, als er sich bewusst wird, dass er alles nur in seinem, nicht in Gottes, Namen getan hat. Um sein Reich der Liebe aufzubauen hat er die Leute durch einen Trick von sich als Propheten überzeugt. Die sterbende Catherine, die von Dämonen geplagt wird, erlöst er, indem er mit dem Messer seine Hände zum Bluten bringt und behauptet, ein Wunder sei geschehen: Die Wunden Christi und dessen Blut seien bei ihm zu sehen.
Sartres Fragen betreffen mich auch. Ich frage mich dieselben Fragen auch oft genug. Aber der Existentialismus ist für mich keine Antwort darauf. Ich finde den Existentialismus ungenügend und deshalb hat das Theaterstück letztendlich für mich keine Aussagekraft. Man kann nur versuchen, seine eigenen Antworten aus dem Text zu lesen oder neue Fragen zu finden. Letztendlich ist sich im Buch niemand treu geblieben. Nasty belügt seine Armen, Heinrich ist kein Pfarrer mehr und läuft nur noch mit dem Teufel durch die Gegend. Jeder ist ein Verräter und am Ende allein, obwohl sich jeder anfangs sicher war, er sei der Auserwählte Gottes.

 
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Verfasst von - 28. Juni 2007 in Bücher, Sprache

 
 
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