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Archiv der Kategorie: Gedanken

Sous le ciel de Paris

DSCF1991Wenn ich bei meinem letzten längeren Parisaufenthalt eines verabscheut habe, dann mein Leben als Maulwurf und Herdentier. Die Maulwurftatktik ist eine in Paris recht verbreitete Lebensart. Man verbringt den größten Teil des Tages unterirdisch, steckt bei der ein oder anderen Metrostation den Kopf kurz ins Tageslicht, bevor man wieder im Erdreich verschwindet. Unter der Erde läuft man mit der Herde durch Labyrinthsysteme, passt sich automatisch der Geschwindigkeit der von der stets drängenden Zeit verfolgten Menge an und presst sich zu Hunderten in die viel zu engen Wagen der Metro oder der RER. Ja, dieses Leben hatte ich satt. Frische Luft bekam man nur auf den kurzen Strecken zwischen Haustür und Metroeingang sowie Metroausgang und Universität.

Eine wahre Alternative für jemanden, der Wert darauf legt, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein (was zugegebenermaßen ein recht deutscher Wert sein mag), existiert nicht. Das oberirdische Verkehrssystem ist gnadenlos überlastet und nur zweirädrige Gefährte haben die Möglichkeit, sich an wartenden und hupenden Autos vorbeizudrängen. Wer den Bus nimmt, braucht Zeit, und oft wäre man per pedes schneller unterwegs. Das hat mich dann bei meinem letzten Aufenthalt hier im vergangenen Juni auf eine Idee gebracht und in der Tat können die meisten Strecken hier gut auf Schusters Rappen bewältigt werden – so man das passende Schuhwerk besitzt.

Als ich mich jetzt also wieder für einen längeren Zeitraum in Paris niederzulassen gedachte, habe ich mich ernsthaft gefragt, ob sich ein Abo für den ÖPNV überhaupt lohnt (immerhin für mich 70€ im Monat), weil ich doch bei der Wahl meines Wohnortes die Wegstrecken zu den diversen Bibliotheken abgeschätzt habe (alles unter einer Stunde erlaufbar). Nicht bedacht habe ich bei meinem letzten Parisaufenthalt im herrlichen Juni und besonders heißen Juli, dass in Paris nicht immer eitel Sonnenschein herrscht. Es gibt durchaus auch Regentage. Und Regenwochen. Und weil ich den Sommer im Kopf hatte, habe ich auch keine wasserfesten Schuhe dabei. Und so schaue ich am Morgen aus dem Fenster und überlege:

  1. Sollte ich mir neue, wasserdichte Schuhe kaufen,
  2. muss ich wohl in die Unterwelt hinab und mich wie eine anständige Pariserin via Metro fortbewegen,
  3. könnte ich natürlich auch den ganzen Tag in meiner Wohnung sitzen bleiben oder
  4. den Schirm aufspannen und hoffen, dass es schon nicht so schlimm wird.

Und wie es in dem Chanson „Sous le ciel de Paris“ heißt: „Quand il pleut sur Paris / C’est qu’il est malheureux. […] Mais le ciel de Paris n’est pas longtemps cruel / Pour se faire pardonner, il offre un arc-en-ciel.“ Ich warte also auf ein Zeichen der Versöhnung. Und auf besseres Schuhwerk.

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Verfasst von - 5. April 2016 in Allgemein, Gedanken

 

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Waldesrauschen, wunderbar

Herbstbaum

Sibylle Berg zu lesen, wenn die scheinbar letzten sonnigen Tage dahingehen und der Herbst mit seinen frühmorgendlichen Nebelfeldern wartet, war vermutlich keine gute Idee. Alles ist grau, kalt und trostlos in Vielen Dank für das Leben und die Menschen befinden sich auf einer ständigen Suche, einer Suche nach Glück, nach Zufriedenheit – und eigentlich weiß keiner so genau, was er vom Leben denn erwartet hat außer diesem: Mehr!

Und so verkrampft sich auch mein Inneres, schickt die Gedanken aus dem Bürofenster in die Ferne und versucht, noch ferne Sehnsüchte aufzuspüren, um sie zu benennen. Die typische Herbstmelancholie. Dabei ist der Herbst eine so wundervolle Jahreszeit, gold-braun-grün-rote Bäume im Wald, Nüsse auf dem Boden, der kalte Geruch von großer Erwartung zieht mit einem Windstoß an der Nase vorbei. Es wird Zeit für warmen Tee, für Kerzen am Nachmittag und Abend. Und die größere Hälfte meiner inneren Stimme redet auf die kleine ein, die Sibylle Bergs Pessimismus so aufgeschlossen ist, und versichert: Menschen sind großartig! Sie sind nicht einheitlich, mittelmäßig und grau wie in diesem Buch. Sehnsüchte beflügeln uns und lassen uns über uns hinauswachsen.

Und auch in mir brennt ein Feuer. Eine noch aus Kindertagen stammende Sehnsucht nach Frankreich manifestiert sich wieder, nachdem ich dem Land vor fünf Jahren den Rücken gekehrt habe. Im nächsten Jahr hat Paris die zweite Chance, doch noch zu einem Stück Heimat für mich zu werden. Und vermutlich wird kein monatelanger Glücksrausch die Stadt in eine rosarote Zuckerwattelandschaft verwandeln. Aber zumindest kann ich mich mit fröhlicherer Lektüre ausstatten.

Und bis dahin lausche ich im Wald dem wunderbaren Rauschen der Blätter, das vom Leben flüstert und getreu Nikolaus Lenau, allerdings voll Freude, fragt: „Hat dein Herz sein Glück gefunden?“

Herbst

beide Bilder von oktofon: Danke!

 
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Verfasst von - 13. Oktober 2015 in Gedanken

 

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Bild

Kreative Tierschützer

Kreative Tierschützer

Ein Straßenschbild, das ich in Wien gefunden habe. Ich frage mich, wozu der Aufkleber „Eating Animals“ sonst so gebraucht wird…

 
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Verfasst von - 24. Juni 2014 in Erlebtes, Gedanken

 

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Video

Meins und deins? Von wegen!

Vor einigen Tagen habe ich meine Gameboyspiele wieder hervorgekramt und habe mich erneut an den Versuch gemacht, Pokémon Diamant durchzuspielen. Dabei ist mir vor allem eins aufgefallen: Bei jedem Item, das ich finde, heißt es: „Du hast x gefunden. Du steckst x in deinen Rucksack.“

Merkwürdig, dachte ich, solche wertvollen Gegenstände würde ich doch nicht einfach so einstecken, sondern irgendwo abgeben. Und Zeug, das in anderer Leuten Häusern – oder deren Müll – rumliegt, hat in meinem Rucksack einfach nichts zu suchen.

Dabei ist mir eingefallen, dass es ja auch Spiele gibt, in denen man in anderer Leute Häuser marschiert und da z.B. Krüge zerschlägt, in denen Rubine aufbewahrt werden, die man dann einfach so einsteckt. Link aus Zelda hat vermutlich sein halbes Vermögen auf diese etwas semi-legale Weise angehäuft.

Mir gefällt die Vorstellung, dass irgendein Spieleentwickler sich mal einen Spaß daraus macht und den Missetäter wegen Beschädigung fremden Eigentums zu einer Geldbuße verurteilt.

Ähnliches werden sich auch andere schon überlegt haben und tatsächlich habe ich ein Video mit Lindsey Stirling gefunden, die in Links Manier Krüge zerschlägt. Seht selbst:

 
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Verfasst von - 2. Mai 2013 in Allgemein, Gedanken

 

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Es wird spannend!

Gerade ändert sich so Vieles in meinem Leben und das kommende halbe Jahr wird wohl ein wirklich spannendes werden.

Ring
1. Wir heiraten in 127 Tagen.
(Nur noch so wenig Tage! Ich freue mich!! :) )

2. Wir ziehen um.
(Endlich haben wir eine Wohnung gefunden, die uns gefällt. Sie ist zwar etwas teurer als wir es uns gewünscht hätten aber der derzeitige Wohnungsmarkt gibt einfach nichts Anderes her.)

3. Meine Masterarbeit beginnt.
(Ich habe einen Betreuer für meine Arbeit gefunden und schon eine ganz lange Literaturliste angelegt. Es kann losgehen!)

4. Ich bin auf Jobsuche.
(Ich dachte, mit einem halben Jahr Anlaufszeit werde ich bis Oktober schon etwas gefunden haben. Lustigerweise sind die Stellenausschreibungen für Jobs eher kurzfristig, anders als bei Praktika, für die man sich oft mindestens ein halbes Jahr vorher bewerben muss.)

Gerade habe ich das Gefühl, Berge versetzen zu können. Wünscht mir Glück!

DSCF1700

 

Ach ja: Und draußen beginnt alles zu blühen. Das machst du wunderbar, Kirschbaum! Vor dem Umzug möchte ich unbedingt noch ein paar Kirschen im Garten pflücken.

 
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Verfasst von - 26. April 2013 in Allgemein, Gedanken

 

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Aufruf zu mehr Komplimenten im Alltag!

Gestern saß ich in der Mensa, als eine wildfremde junge Frau auf mich zukam und mir sagte, sie fände, ich hätte tolle Haare. Mit was für einer Freude ich mein restliches Essen verputzt habe, kann man sich vielleicht vorstellen.
Nach dem Essen bin ich in die Bibliothek marschiert, um dort letzte Hand an meine Hausarbeit anzulegen und wurde dort mit der Begrüßung empfangen, mein Rock sei sehr schön.
Den ganzen restlichen Tag bin ich quasi durch die Gegend geschwebt und wusste: Es sollte viel mehr Komplimente im Leben geben! Und das nächste Mal, wenn ich denke, dass jemand eine richtig tolle Frisur oder ein richtig schönes Kleid anhat, dann werde ich das auch sagen.

Für mehr Komplimente im Alltag!

 
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Verfasst von - 10. April 2013 in Allgemein, Erlebtes, Gedanken

 

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Sind wir vielleicht zu unpolitisch?

DSCF1591„Seit wann sind wir eigentlich so politisch geworden?“, fragte mich meine Freundin letzte Woche. Wir hatten gerade über diverse Punkte der deutschen Innen- und Außenpolitik gesprochen. Dann haben wir versucht, uns daran zu erinnern, ab wann wir angefangen haben, uns für Politik zu interessieren. Denn das war nicht immer so.

Noch vor einem Jahr, als ich einen Vortrag über die Sorgen und Interessen meiner Generation vor dem Frauenreferat der EKiR hielt, habe ich den jungen Leuten Pragmatismus und einen fehlenden Idealismus vorgeworfen. Ich war der Meinung, dass wir uns aus allem Verfänglichen heraushalten, um keine Farbe zu bekennen – weil uns das eventuell irgendwann schaden könnte. Seitdem ich mir Gedanken über meine Generation gemacht habe und über ihre Sorgen, keinen Arbeitsplatz zu finden (während gleichzeitig im Radio die Meldung gebracht wurde, die Jugendarbeitslosigkeit sei auf einen neuen Tiefstand gesunken), habe ich meine Vermutungen bisher mehrfach in Zeitungen und in Gesprächen bestätigt gefunden.

Interessanterweise habe ich gleichzeitig begonnen, mich nach Möglichkeiten umzusehen, meiner inneren Empörung Luft zu machen. Ich habe mir Ortsgruppen von NGOs angesehen, war bei Treffen von politischen Gruppen und lese eine Tageszeitung. Auch als Abiturientin habe ich Zeitung gelesen – die ZEIT natürlich, ganz wie es sich für angehende Studentinnen der Philosophischen Fakultät gehört. Aber im Prinzip habe ich es dabei immer geschafft, mich um die Politik herumzulesen. Seit wann bin ich also so politisch geworden? Und vor allem: Warum?

 
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Verfasst von - 18. März 2013 in Allgemein, Gedanken

 

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