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Ein Fluß rauschte beständig aus der Tiefe…

Postapokalyptische VisionLandschaftsbeschreibungen in der Literatur sind meist Passagen, die man gerne überspringt. Besonders über Karl Mays Bücher heißt es: Und dann habe ich dreißig Seiten weiter geblättert, bis die Geschichte weiterging. (Wobei ich selbst stolz verkünden möchte, dass ich mich durch solche Passagen gekämpft habe! Allerdings fand ich sie langweilig und daher haben sie mir keinen Mehrwert eingebracht…) Muss ich ein Buch schnell lesen, überspringe ich solche Stellen übrigens auch, weil sie nicht zur Handlung beitragen. Ein Professor hat allerdings bereits mehrfach erklärt, dass man das nicht tun solle, weil man gerade in den Landschaftsbeschreibungen eine besondere Botschaft über das Buch finden könne.
Da ich mich aber immer noch mit der Bedeutsamkeit von Landschaftsgemälden in der Literatur schwertue, stelle ich hier kurz einige Gedanken vor, die mir ebenjener Professor versucht hat einzupflanzen.

Es gibt drei Arten von Landschaftsgemälden. Die klassichen zwei, das sind der locus amoenus und der locus terribilis. Der locus amoenus stellt die schöne Natur dar, mit Bäumen, Flüsschen und sanften Hügeln. Die Natur hat hier nichts Erschreckendes, sie ist durchsichtig und transparent. Dagegen zeigt der locus terribilis die erhabene Natur: Sie ist gefährlich, undurchsichtig und wild. Der dritte Landschaftstyp ist eine Mischung dieser beiden Formen, nämlich der pittoreske Landschaftstyp. Die Grundlage dazu bildet der schöne Raum, der vom Menschen nach seinen Vorstellungen gestaltet worden ist, dann aber von der Natur zurückerobert wurde. Sie ist wirr und soll dem modernen Leser klarmachen, dass die Natur weder schön noch erhaben ist. Sie ist eben ein Wirrwarr, in dem man sich erst zurechtfinden muss. Man durchschaut die Natur nicht mehr, steht ihr sozusagen hilflos gegenüber.

Ob mir diese Erkenntnisse beim Verständnis einiger Texte helfen können, bleibt abzuwarten. Das nächste Mal, wenn ich auf Landschaftsbeschreibungen stoße, muss ich einfach mal daurauf achten, um welchen Typus es sich handelt und was sich dahinter verbirgt. Vielleicht ist es eine ganze Poetologie.

Mich hat die Schilderung pittoresker Landschaften übrigens an Bilder von postapokalyptischen Visionen in Japan erinnert. Auch hier werden von Menschen gestaltete Plätze dargestellt, die sich die Natur zurückerobert hat, nachdem die Menschen verschwunden sind. Einfach wunderschöne Bilder, die etwas Trauriges und Beruhigendes zugleich ausstrahlen.

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Verfasst von - 19. April 2012 in Bücher, Gedanken, Studium

 

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