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Ostersonntag: Scherben einsammeln

Scherben einsammelnWir stehen vor einem Scherbenhaufen. Ich, du, er, sie. Wir. Etwas ist zerbrochen, etwas in uns. Und nun müssen wir sehen, was wir mit dem Haufen Scherben anfangen wollen.

Am Anfang mag es noch eine Genugtuung sein, mit nackten Füßen durch das Glas zu marschieren, uns selbst zu kasteien, uns selbst wehzutun, uns selbst zu sagen, wie schrecklich wir sind.
Doch auf Dauer wird dieses Tanzen in den Scherben nicht helfen. Wir können auf diese Art nicht heilen und unsere Wunden werden nicht aufhören zu bluten.
Vielleicht warten wir auf jemanden, der uns die Splitter aus den Fußsohlen zieht und die Wunden versorgt. Der uns tröstet und uns sagt, dass alles wieder gut wird. Dass die Zeit alle Wunden heilt.
Doch nicht einmal die Zeit kann den Scherbenhaufen zu dem zusammensetzen, was er einmal war: eine Beziehung, eine Freundschaft, eine Zukunft, ein Leben.
Um heil zu werden, müssen wir selbst anpacken und diesen Scherbenhaufen vor uns beseitigen.

Man kann einen Besen nehmen, alles aufkehren und in die Tonne verfrachten. Die alten Zeiten hinter sich lassen und nie wieder zurückschauen.

Man kann einzelne Stücke vielleicht noch als Erinnerung behalten, bevor man den Rest verwirft.

Man kann versuchen, die Stücke wieder zusammenzukleben. Sicher, es wird nie wieder so, wie es vorher einmal war. Die Bruchstellen werden immer sichtbar sein und eine falsche Bewegung kann den Versuch wieder in seine Einzelteile zerlegen.

Man könnte aber auch etwas völlig Neues und Wundervolles aus einem Haufen Scherben zaubern. Mit Geduld, Kreativität und neuem Lebensmut müsste man ans Werk gehen. Wie bei einem Kirchenfenster müsste man die einzelnen Stücke zusammenlegen und mit Metall verbinden. Daraus könnte ein ganzes Kunstwerk entstehen. Und welch ein Kunstwerk könnte es werden, wenn da noch jemand anderes wäre, der mit uns klebt und baut.

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Nachdem Karfreitag Flaschen in Scherben gehauen worden sind, wurden in der Osternacht in einer weiteren Kunstaktion die Scherben in Gips gedrückt. Aus Scherben kann man etwas Neues bauen. Im Ostergottesdienst heute werden dann die Flaschenhälse mit Blumen bestückt.

Ich wünsche euch allen frohe Ostern und ganz viel neue Lebenskraft und Kreativität etwaige Scherbenhaufen zu Neuem zusammenzubauen.

 
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Verfasst von - 8. April 2012 in Allgemein, Erlebtes, Gedanken

 

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Karfreitag: Alles in Scherben

Kunstaktion: ScherbenDas Thema des heutigen Karfreitags in unserer Gemeinde lautet: Hoffnug zerbricht. In einer Kunstaktion wurden Flaschen und Gläser zerhämmert und in Scherben geschlagen. Dabei wurden Texte gelesen, die von Situationen handeln, in denen etwas zerbrochen ist: eine Freundschaft, eine Beziehung, Träume, Vertrauen, Selbstwertgefühl.

Heute ist ein Tag des allgmeinen Innehaltens und Nachdenkens über unser Leben, unsere Hoffnung und über unsere Vergänglichkeit. Und das Schöne am heutigen Tag ist, dass wir genau wissen, dass er vorbeigehen wird. Man kann sich getrost seinen Grübeleien hingeben, ohne Angst haben zu müssen, die Sorgen und Ängste würden uns überwältigen, weil das Ende dieses Insichkehrens bereits im Vorhinein feststeht.

Vor einem Scherbenhaufen stehe ich derzeit zum Glück nicht. Das neue Semester hat begonnen und bringt Hoffnung und viele gute Vorsätze mit sich. Meine Zukunftsvorstellungen sind momentan vollständig rosig.
Aber ich kenne das Gefühl, vor einem solchen Haufen zu stehen und den Glauben, dass nichts mehr funktioniert, dass es nie wieder besser werden kann. Darüber werde ich heute -und morgen?- wohl noch ein wenig nachgrübeln, denn anscheinend bin ich immer wieder von dieser Überzeugung abgekommen. Außerdem werde ich über Zukunftsträume sinnieren. Das alles bei einem schönen Spaziergang im Sonnenschein, der rechtzeitig zu den Ostertagen eingetroffen ist – und hoffentlich noch eine Weile bleiben wird.

 
6 Kommentare

Verfasst von - 6. April 2012 in Erlebtes, Gedanken

 

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