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Schlagwort-Archive: Sehnsucht

Waldesrauschen, wunderbar

Herbstbaum

Sibylle Berg zu lesen, wenn die scheinbar letzten sonnigen Tage dahingehen und der Herbst mit seinen frühmorgendlichen Nebelfeldern wartet, war vermutlich keine gute Idee. Alles ist grau, kalt und trostlos in Vielen Dank für das Leben und die Menschen befinden sich auf einer ständigen Suche, einer Suche nach Glück, nach Zufriedenheit – und eigentlich weiß keiner so genau, was er vom Leben denn erwartet hat außer diesem: Mehr!

Und so verkrampft sich auch mein Inneres, schickt die Gedanken aus dem Bürofenster in die Ferne und versucht, noch ferne Sehnsüchte aufzuspüren, um sie zu benennen. Die typische Herbstmelancholie. Dabei ist der Herbst eine so wundervolle Jahreszeit, gold-braun-grün-rote Bäume im Wald, Nüsse auf dem Boden, der kalte Geruch von großer Erwartung zieht mit einem Windstoß an der Nase vorbei. Es wird Zeit für warmen Tee, für Kerzen am Nachmittag und Abend. Und die größere Hälfte meiner inneren Stimme redet auf die kleine ein, die Sibylle Bergs Pessimismus so aufgeschlossen ist, und versichert: Menschen sind großartig! Sie sind nicht einheitlich, mittelmäßig und grau wie in diesem Buch. Sehnsüchte beflügeln uns und lassen uns über uns hinauswachsen.

Und auch in mir brennt ein Feuer. Eine noch aus Kindertagen stammende Sehnsucht nach Frankreich manifestiert sich wieder, nachdem ich dem Land vor fünf Jahren den Rücken gekehrt habe. Im nächsten Jahr hat Paris die zweite Chance, doch noch zu einem Stück Heimat für mich zu werden. Und vermutlich wird kein monatelanger Glücksrausch die Stadt in eine rosarote Zuckerwattelandschaft verwandeln. Aber zumindest kann ich mich mit fröhlicherer Lektüre ausstatten.

Und bis dahin lausche ich im Wald dem wunderbaren Rauschen der Blätter, das vom Leben flüstert und getreu Nikolaus Lenau, allerdings voll Freude, fragt: „Hat dein Herz sein Glück gefunden?“

Herbst

beide Bilder von oktofon: Danke!

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Verfasst von - 13. Oktober 2015 in Gedanken

 

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Oh, du süßes Fernweh…

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Eigentlich dachte ich, ich sei ein kleines Topfpflänzchen. Ein Pflänzchen, das es auf keinen Fall schätzt, umgetopft und verpflanzt zu werden. So zumindest habe ich mir meine Heimatssehnsüchte erklärt als ich ein Jahr allein in der Fremde verbrachte. Doch seit ein paar Wochen ist da wieder ein Gefühl in meinem Bauch und ein Sehnen in meinem Herzen erwacht, das immer stärker danach drängt: Du musst raus in die Welt!
Ein Gefühl von Fernweh hat mich in meiner Jugendzeit immer wieder erfasst und ich weiß, dass es so stark werden kann, dass man nächtelang sehnend wachliegt und und vor Sehnsucht mit Tränen in den Augen grübelt, wohin es mich noch verschlagen wird und vor allem, wann es endlich so weit sein wird. Größtes Hindernis in der Jugendzeit ist die Minderjährigkeit und wahrscheinlich das fehlende Geld. Jetzt bin ich erwachsen geworden und könnte mir wohl die eine oder andere Reise leisten. Was hält mich also hier fest, an meinem Schreibtisch mit der nächsten Hausarbeit vor Augen? Wo ich doch jederzeit dazu bereit wäre, jetzt gleich meinen Rucksack zu packen und loszuwandern, von hier bis nach Santiago de Compostella. Ich will Wälder sehen, Berge sehen, das Meer sehen. Ich will mit der Transsibirischen Eisenbahn bis nach Peking fahren und weiter ins Sehnsuchtsland meiner Jugend, noch einmal nach Japan.
Und trotzdem weiß ich, dass ich meinen Rucksack nicht packen werde. Ich stille meine Sehnsucht mit Reisetagebüchern und lindere dieses Gefühl im Bauch mit aus der Bibliothek ausgeliehenen Reiseführern, so lange, bis der Alltag meine Sehsucht überlagert.

 
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Verfasst von - 11. Februar 2013 in Allgemein, Gedanken

 

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