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Sartre: Les mains sales

Welche Frage wird sich wohl ein Schüler stellen, der in seiner Freizeit ein Theaterstück liest? Natürlich, ob es sich um eine Komödie oder um eine Tragödie handelt. Anderes habe ich während meiner Schülerkarriere nicht kennen gelernt.
So untersuchte ich auch das Stück „Les mains sales“ von Jean-Paul Sartre auf hinweisgebende Elemente. Zumindest war ich das ganze Stück davon überzeugt, es handele sich um eine Komödie. Der junge Hugo soll den Führer seiner kommunistischen Partei erschießen. Von den sieben Akten spielen der erste und der letzte nach dem Zweiten Weltkrieg und nachdem Hugo seines Auftrags wegen im Gefängnis gelandet und nun wegen guter Führung wieder entlassen worden ist. Die restlichen fünf Akte sind Rückblende in die Zeit des Krieges hinein. Wie in einem Psychothriller darf der Leser/Zuschauer darauf warten, ob und wie Hugo seinen Auftrag ausführt. Eine weitere, wenn auch für mich unverständliche Rolle hat Hugos neunzehnjährige Frau, die auch für die ein oder andere lustige Szene sorgt und so mein Bild einer Komödie verfestigte. Sie versinnbildlicht die ideale Frau der Konservativen, das typische Feindbild der Feministinnen, die sich nicht in die Politik einzumischen hat. Sie zeigt aber auch die typisch kindliche Unschuld, denn sie spielt nur damit, die Frau eines Mörders zu sein. So aber auch Hugo. Er, der seine Hände niemals schmutzig gemacht hat, spricht die ganze Zeit davon, den Mord zu begehen, führt ihn letztendlich nur wegen einer Lappalie aus. Der Schluss selbst ist für die Dramagattung ja ausschlaggebend und tatsächlich gibt es eine Lösung für das bestehende Problem. Hugo wird wieder in seiner Partei eintreten dürfen und sich wieder nützlich machen. Hugo selbst macht diese Lösung allerdings zunichte, sodass das Theaterstück letztendlich doch noch in einer Katastrophe zu enden scheint, die allerdings nicht mehr richtige Erwähnung findet. Um was für ein Drama handelt es sich hier also? Die ganze Fragerei hätte ich mir wahrscheinlich sparen können, wenn ich gleich darauf geachtet hätte, dass ein klassisches Drama in fünf Akte untergliedert ist – aber auch bei Molières Komödien gab es unterschiedlich lange Dramen. Oder ich hätte wissen müssen, dass ein Autor des 20. Jahrhunderts sich nicht mehr der alten Formen bedient. Ebenfalls hilfreich wäre gewesen, wenn ich von selbst auf den Gedanken gekommen wäre, dass das Stück nicht in Frankreich spielt, wie ich es die ganze Zeit vermutet hatte. Handlungsort ist das fiktive Land im Osten Illyrie. Ansonsten bietet das Stück allerhand Grundlagen zur Interpretation für eine geübte Schülerseele. Nur nach einer existenzialistischen Hauptaussage habe ich vergeblich gesucht. Nicht, dass man es falsch versteht: Es sind schon existenzialistische Gedanken in dem Stück vorhanden. Aber anders als bei „Les jeux sont faits“ und „Huis-clos“ scheint er nicht die Hauptaussage des Dramas zu sein.

 
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Verfasst von - 4. Juni 2007 in Bücher

 

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