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Schlagwort-Archive: bio

Verschwörungstheorien

Schon vor einer ganzen Weile hat sich bei den Gänsen auf dem benachbarten Biobauernhof eine Ente eingeschlichen. In ihrem Verhalten hat sie sich den weißen Tieren bereits nahezu perfekt angeglichen – lediglich ihr braunes Federkleid enttarnt sie bis heute. Und irgendwann ist mir klar geworden: Das muss ein Spion sein. Ein Entenspion, der entweder geschickt wurde, die gänsischen Verhaltensmuster zu erforschen oder aber den menschlichen Mastbetrieb in der Biobranche ins Auge zu nehmen.

Im Zuge meiner Masterarbeit beschäftige ich mich mit dem Ersten Weltkrieg und als ich da über den Begriff der Entente gestolpert bin, habe ich bemerkt, dass sich da zwei Enten im Wort versteckt haben. Das kann doch kein Zufall sein…

 
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Verfasst von - 19. September 2013 in Allgemein

 

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Mein ungehörter Aufschrei

Indignez-vous! – Empört euch! Es ist vor allem dieser Aufruf, der vom kürzlich verstorbenen Stéphane Hessel in Erinnerung ist. Ja, warum empören wir uns denn nicht? Oder empören wir uns vielleicht doch? Bloß so zum Vergnügen? So lange, bis uns wieder etwas anderes einfällt, das wir tun können?

Foto: redronafets

Foto: redronafets

Auch ich vergesse immer wieder diesen Aufschrei meiner Seele, der mich manchen Schlaf kostet, der mich zum Weinen und zur Verzweiflung treibt. Manchmal denke ich tage-, wochen-, ja vielleicht sogar monatelang nicht mehr daran. Aber dafür bäumt sich in mir irgendwann nur noch alles umso stärker auf mit einem Schrei, der mir wieder wochenlang in den Ohren klingen wird.

Ich empöre mich über die himmelschreiende Ungerechtigkeit der Lebensmittelverteilung in dieser globalisierten Welt!
Ich empöre mich über die Lebensmittelvernichtung von Waren, die der Norm nicht entsprechen!
Ich empöre mich über die absolut inakzeptable Art und Weise der Tiermast!
Ich empöre mich über moralisch schizophrene Heuchler!
Ich empöre mich über diejenigen, die Systeme zum Schaden aller ausnutzen!
Ich empöre mich über Systeme, die die Wohlhabenden immer weiter bevorzugen und anderen keine Chance mehr lassen!
Ich empöre mich darüber, wie die Not vor der eigenen Haustür einfach übersehen werden kann!
Und vor allem bin ich empört, weil ich so ohnmächtig vor all diesen Dingen stehe und nicht weiß, wie ich etwas dagegen tun kann.

Vor Jahren habe ich mich dazu entschlossen, kein Fleisch mehr zu essen. Ich verzichte aufs Auto und ich vermeide Flugzeuge, wenn es nur geht. Ich kaufe bewusst ein und versuche, Bio- und Fairtradewaren zu kaufen. Tanja Busse hat mich mit ihrem Buch „Die Einkaufsrevolution“ ermutigt, dass auch die Konsumenten mit ihrer Einkaufsentscheidung Macht haben. Aber im Grunde weiß ich, dass das hauptsächlich mein eigenes Gewissen beruhigen soll. Das allein ändert nichts am System – und ich weiß, dass ich mit meiner Wahl von Bio-Produkten  selbst ausgenutzt werden kann. Ich weiß, dass nicht überall, wo bio draufsteht nur bio drin ist. Ich weiß, dass ich mich zu sehr auf die Siegel verlasse. Dieses Gefühl kann ich allerdings noch akzeptieren.

Nicht akzeptieren kann ich dagegen das Gefühl, von Organisationen ausgenutzt zu werden, wenn ich für eine gute Sache Geld spende. Oder von jemandem, der auf der Straße um Geld bettelt. Werde ich ausgenutzt? Und ich lächle vielleicht, schüttele den Kopf und gehe aus Scham mit auf den Boden gesenktem Blick an einem vielleicht Hilfebedürftigen vorüber.

Vor einigen Wochen wurde ich gefragt, warum ich als junge Frau nicht vor dem Kölner Krankenhaus protestiere, das eine vergewaltigte Frau abgewiesen hatte. Ich zuckte mit den Schultern. Ich glaube nicht daran, dass so etwas tatsächlich etwas bewegen oder verändern kann. Überhaupt Demonstrationen? Ich glaube nicht daran. Wie aber kann ich dann die Welt verändern?
Ich habe es mit der Politik und einer NGO versucht. Aber auch dabei: Es wird geredet und geredet, es wird aber nichts getan. Außerdem weiß ich gar nicht, wo ich überhaupt mit dem Weltverändern anfangen soll. Reicht es, sich für mehr Tierschutz oder für die Menschenrechte einzusetzen? Oder muss ich mich gleich für eine Veränderung des ganzen Wirtschaftssystems starkmachen? Und wie geht das? Verzweifelt suche ich nach Handlungsanweisungen, weil mir selbst dazu immer nur einfällt: Ich muss raus hier! Ich muss weg, irgendwohin, wo es das alles nicht gibt – und dann fange ich noch mal ganz von vorne an.

In mir schreit es – und mein Schrei bleibt ungehört.

 
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Verfasst von - 6. März 2013 in Erlebtes, Gedanken

 

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Bio – auch für mich?

Ein Glücksgriff in der Bibliothek war der nach dem Buch „Arm aber Bio“ von Rosa Wolff. Mit dem Status Studentin gehöre ich einfach grundsätzlich in die Kategorie „wenig Geld“ – und natürlich auch zu der Zielgruppe für Bioprodukte. Also wollte ich mal sehen, was Frau Wolff mir da zu sagen hat.

Die Autorin arbeitet als freie Journalistin und muss plötzlich von Hartz IV leben, als die Zeitschrift, für die sie geschrieben hat, eingestellt wird. Daraufhin startet sie einen Versuch, um herauszufinden, ob man mit dem Geld, das nach Aufschlüsselung des Regelsatzes fürs Essen vorgesehen ist, auch ausschließlich mit Bioprodukten überleben kann. Der Regelsatz ist zwar seit dem Jahr 2009 um 23€ gestiegen (auf mittlerweile 374€/Monat), aber wenn man umrechnet, wie viel pro Tag für Essen ausgegeben werden darf (Wolff hat einen Tagessatz von 4,35€ ausgerechnet), wird sich bei dem Betrag nicht viel tun.
Wahrscheinlich verliert das Buch nicht besonders viel an Spannung, wenn ich an dieser Stelle schon vorwegnehme, dass sie ihren Selbstversuch schafft und fast im vorgesehenen Budgetrahmen bleibt. Respekt an die Autorin, denn sie musste im Wonnemonat Mai fast komplett auf Erdbeeren und Eis verzichten, um ihre Bilanz nicht ganz kaputt zu machen. Das Buch erzählt hauptsächlich von ihren Einkäufen, dem Preisvergleich, vom Kochen und vom Essen. Dabei achtet sie in der Tagesbilanz nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf ausreichend Kalorien und auf genügend Obst und Gemüse. Ihr Richtwert heißt nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: dreimal 125g Gemüse und zweimal 125-150g Obst am Tag. Letzteres Ziel erreicht sie nicht, was aber auch an der Abstraktheit solcher Richtwerte liegen mag. 125g, das ist ein halber großer Apfel. Auch mit der Kalorienzahl tut sie sich schwer, begeht aber nur einmal die Verzweiflungstat, die fehlenden Kalorien mit jeweils einem Löffel Zucker im Tee zu kompensieren.

Die meiste Zeit habe ich mich gewundert, dass Wolff über den knurrenden Magen schimpft, denn für mich schienen die Portionen wirklich gut bemessen zu sein. Irgendwann ist mir dann aber aufgegangen, welch schwierige Aufgabe sie sich da vorgenommen hat: Einerseits möchte sie zwar armen Menschen zeigen, dass man durchaus auch ausschließlich von Bioprodukten leben kann und dass es somit keine Ausrede gibt, zu den Billigprodukten zu greifen. Gleichzeitig möchte sie natürlich nicht das Bild vermitteln, vom Harzt IV-Satz ließe sich viel zu gut leben, so dass die Sparte der Kürzungsbefürworter weiteren Zulauf erhielten. Ein schwieriger Spagat. Nicht zuletzt überzeugt hat mich das Buch durch die Entdeckung, dass alle Rezepte, die im Buch gekocht und ausprobiert werden, auch im Anhang noch einmal zu finden sind. Die Rezepte sind für ein bis zwei Personen gedacht, haben wenige und eher alltägliche Zutaten und sind meistens vegetarisch. Einziger Wermutstropfen beim Thema Vegetarismus ist für mich Thema Eisen, von dem ich anscheinend nie genug bekomme. Als Zusatzinformation listet Wolff „Die besten günstigen Lebensmittel“ auf und nenntt dazu noch die wichtigsten Inhaltsstoffe, wie Vitamine oder Ballaststoffe. Das einzige Produkt mit dem Zusatz „Eisen“, ist in dieser Liste der Apfel. Nun dann. Nichtsdestotrotz schafft Wolff es, einfache Zutaten ohne großen Aufwand zu richtig leckeren Speisen zu verarbeiten. Es gibt mittlerweile sogar noch ein Kochbuch dazu, mit 118 weiteren Rezepten. Beides habe ich mir mittlerweile angeschafft. Wirklich, ich bin begeistert!

Auf jeden Fall hat Rosa Wolff mein Leben verändert, denn ich koche wieder öfter selbst, koche variantenreicher, habe wieder ständig Obst und Gemüse daheim und scheue mich auch nicht mehr davor, auch mal etwas teurere Produkte (dafür mit hoffentlich hoher Qualität!) aus dem Biosupermarkt mitzunehmen. Ich glaube, ich bin in die Fänge einer Sekte geraten.

 
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Verfasst von - 6. Juni 2012 in Allgemein, Bücher, Erlebtes, Gedanken

 

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Wo sind bloß die Karotten?

Gemeinsam mit den Kaninchen hielt auch das Gemüse als Dauerbestand bei uns Einzug. Zuvor gab es Gemüse nur ausnahmnsweise. Das liegt nicht daran, dass ich Gemüse nicht mögen würde. Aber es lohnte sich nicht, weil wir nicht jeden Tag kochten und Frischzeug eben nicht ewig frisch bleibt. Mit den Kaninchen also, die ich wohl gesünder füttern wollte als mich selbst, kamen vor allem die Karotten in den Kühlschrank. Auch der Salatkopf lohnte sich plötzlich, denn alles, was nicht in meinem Salat landete, verschwand in den Kaninchenmägen.

Zu dieser Zeit begann dann auch das Experimentieren mit verschiedenem Gemüse. Aus meinem Auslandsjahr in Paris wusste ich noch, dass nicht jedes Gemüse nach Gemüse schmecken muss: Egal, was ich dort kaufte – Tomaten, Karotten, Gurken, Zucchini – alles war für den rohen Verzehr ungenießbar, weil es einfach nach gar nichts schmeckte. Die Vorurteile über holländisches Gemüse hat man vielleicht schon mal gehört und auch weil ja regional so schön umweltbewusst sein soll, habe ich mich also bemüht, hauptsächlich deutsches Gemüse auf dem Markt zu ergattern. Aber was soll man machen? Wenn da zwei Kilo holländische Karotten für einen unschlagbaren Preis angeboten werden? Nach langem Zögern griff ich zu und probierte schon mal auf dem Nachhauseweg. Puh! Schmeckte nach nichts! Mich habe diese Karotten nicht weiter locken können, aber die beiden Kaninchen haben in der nächsten Zeit zwei Kilo davon vernichten müssen. Um holländische Karotten mache ich seitdem einen großen Bogen.

Ein Erweckungserlebnis hatte ich dann kurz nach dem Einkauf im Biosupermarkt. Ich brauchte noch Karotten und der Einfachkeit halber nahm ich von dort trotz höherem Kilopreis zwei Stück mit. Besagtes Erweckungserlebnis stellte sich dann beim Kosten ein. Wahnsinn! Die konevntionellen bis dahin waren nichts im Vergleich zu diesem herrlichen Gemüse. Bis dato war ich allen Aussagen gegenüber, die behaupteten, man schmecke den Unterschied bei bio, eher skeptisch eingestellt – die Erwartung, dass es besser schmecken müsse sei wohl entscheidend, so meine Überzeugung. Aber jetzt war ich bekehrt und schwebte geradezu über den Boden, immer wieder hin zum Biosupermarkt. Und dann landete ich in der letzten Woche ziemlich hart auf dem Boden. Die deutschen Karotten sind weg, stattdessen liegen da italienische. Mist. Bei Aldi und Rewe kommen die bio-Möhren aus Israel, die konventionellen aus Spanien und Portugal, auf dem Markt aus Holland.

Aber ist denn nicht das ganze Jahr über Karottensaison? Ein Blick auf den Saisonkalender klärte mich auf: Saison ist erst wieder ab Ende Juni, Hauptsaison ist im Oktober.
Zwei Sachen bleiben also zu bedenken: Wie alt waren die deutschen Karotten, die ich vorletzte Woche noch kaufen konnte wirklich (die Saison endet im Dezember) und zweitens: Welche Karotten probiere ich als nächstes aus? :(

 
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Verfasst von - 19. Mai 2012 in Allgemein, Erlebtes, Gedanken

 

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