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Archiv der Kategorie: Zitate/Gedichte

Ajoutez deux lettres à Paris

EiffelturmBonjour Paris, da bin ich wieder. Seit einigen Tagen schon streife ich durch Gassen, Parks und Boulevards und staune darüber, was ich in meinem (knapp sechs Jahre zurückliegenden) einjährigen Aufenthalt hier alles übersehen habe. Langweilig, grau-beige, schmutzig und stinkend? Von wegen! Nun gut, schmutzig und stinkend, ja, das stimmt vielleicht. Aber ich versuche, den oberflächlichen deutschen Blick auf Hundekot, Zigarettenkippen und verwahrloste Ecken zu überwinden und hinter dem ersten Eindruck das strahlende Gesicht der Stadt zu sehen. Die Stadt pulsiert, die Stadt lebt. Auch noch nach den Anschlägen im November. Fluctuat nec mergitur. Paris wankt, geht aber nicht unter.

Um mein Wanken zu überwinden, bin ich wieder hier. Um endlich ein wenig Heimat am Ort meiner Sehnsüchte zu finden. Knapp 180 Tage (grob überschlagen) habe ich Zeit, mich hier ins Leben zu stürzen. Oder auch in den dusteren Muff der vielen Bibliotheken. Das wird noch zu entscheiden sein. Aber angekommen bin ich. Auf meiner ersten Metrofahrt in dieser jetzt neu anbrechenden Zeitrechnung, fiel mir eine Werbung der RATP (Betreiber des ÖPNV in Paris) auf, die mich zum Schmunzeln brachte: Sie zitierten einen  Satz von Jules Renard: „Ajoutez deux lettres à Paris: c’est le paradis“. Fügt Paris zwei Buchstaben hinzu und ihr seid im Paradies. Dabei habe ich gar nicht vor, mich in ein paradiesisches Stadtleben zu integrieren. Vom Gefühl her ziehe ich wie Eugène de Rastignac zum Eroberungsfeldzug gegen diese Kapitale aus: „À nous deux, maintenant!“

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Verfasst von - 1. April 2016 in Allgemein, Erlebtes, Zitate/Gedichte

 

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Für den Alltag nicht geeignet

Non vitae, sed scholae discimus.
Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir. Wir Lateinschüler fanden es damals ganz lustig, das bekannte Zitat (Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir) auf diese Art zu verdrehen, nicht ahnend, dass diese Fassung in Wahrheit das Original ist. Seneca hat damit die Schulen seiner Zeit kritisiert. Und heute ist diese Kritik noch immer aktuell.

Das habe ich mal wieder festgestellt, als ich in Frankreich unterwegs war. Ich spreche und schreibe ein Französisch, mit dem ich mich in der französischen Uni adäquat sschriftlich und mündlich ausdrücken kann. Ich kann mich natürlich auch auf der Straße verständlich machen. UNd dennoch habe ich feststellen müssen, dass ich keine Ahnung habe, wie man in Frankreich WIRKICH sprachlich einkaufen geht. In den Geschäften kann ich mich bedanken, nach konkreten Dingen fragen und fordern – aber die Floskeln, die man tatsächlich benutzt, die kannte ich nicht. Kein Mensch hat mir in der Schule beigebracht, dass man auf ein „Merci“ mit einem „Je vous en prie“ antwortet. Auch die ganzen spielerischen Übungen im Unterricht, mit denen man lernen soll, wie man auf einem Markt einkauft, sind im Prinzip Unsinn – denn die Franzosen benutzen in Wahrheit eben doch andere Formulierungen. Ich hätte in meinem Auslandsjahr vermutlich mehr Zeit in Geschäften ud auf dem Markt verbringen sollen, um den Gesprächen zu lauschen. Aber dafür war ich natürlich zu beschäftigt – typisch: Für die wahren Wichtigkeiten des Lebens nimmt man isch ienfach keine Zeit. Was sagt man zum Beispiel, wenn man keine Tüte für seinen Einkauf braucht? Nur durch Zufall habe ich mal aufgeschnappt, wie ein Herr vor mir die Plastiktüte sehr höflich abgelehnt hat. Für das von mir bis dahin gewählte „Ich brauche keine Tüte, Danke“ habe ich mich dann einfach nur noch schämen müssen.
Mein Französisch ist für den Alltag einfach nicht geeignet.

Auf den Vorwurf, dass die Schule nicht auf das alltägliche Leben vorbereite, reagieren Schulbuchverläge mittlerweile. Als ich ein Mädchen ein Jahr lang in Hausaufgaben und Prüfungen durch die achte Klasse begleitete habe ich festgestellt, dass sich die Lehrbücher seit meiner eigenen Schulzeit drastisch geändert haben. Vor allem das Mathebuch erregte meinen Unmut. Lambacher Schweizer-Bücher haben einfach grau und trist auszusehen. Das hat ihren Charme – und den Charme des Matheunterrichts gleich mit dazu – einfach ausgemacht. Jetzt sind die Bücher bunt, um zu vermitteln, wie lustig und bunt die Mathematik sein kann. Während wir damals Textaufgaben lösen mussten, die einfach Textaufgaben waren, haben diese heute einen Anstrich der Alltagspraxis. Man möchte einen Auslauf für seinen Hund bauen und mit einer bestimmten Zaunlänge die Fläche so groß wie möglich machen (neben der Aufgabe ist natürlich noch eine farbige Abbildung eines Hundes zu sehen). Dem Mädchen ging es nicht in den Kopf, dass diese Rechenaufgabe alltagstauglich sein sollte. Sie hätte einfach rumprobiert, wie die Fläche am größten wird. Ich wahrscheinlich auch.

 

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Welttag der Poesie

Christain Morgenstern

Christian Morgenstern

Vermutlich sollte ich diesen Beitrag in wunderschönen Versen verfassen, am besten in Distichen. Leider hänge ich bei Reimen immer in diesen koventionellen Schmeata fest – und daher werde ich es lassen, hier Verse zu verfassen.
Der 21. März wurde von der UNESCO als Welttag der Poesie ausgerufen, um „an den Stellenwert der Poesie, an die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen [zu] erinnern.“
Mein persönlicher Beitrag dazu wird heute mein Besuch der LitCologne sein, auf der heute (hoffentlich!) Tomas Tranströmer zu Besuch kommen wird. Ich bin schon ganz aufgeregt und versuche meinen Kopf schon ein wenig auf Schwedisch einzustimmen, das ich natürlich nie gelernt habe. Aber manchmal geschehen ja Wunder. Denn die schwedische Akademie ehrte Tranströmer mit dem Literaturnobelpreis wegen seiner komprimierten und erhellenden Bilder, die er in seinen Gedichten benutzt. Für diese muss man der Sprache wohl mächtig sein.
Eine kleine Vorbereitung auf diesen wichtigen Tag heute war hoffentlich unsere Lesekreissitzung im Oktober, bei der wir einige Gedichte, die in der Universitätsbibliothek auf deutsch aufzutreiben waren, gelesen und besprochen haben.

Ansonsten werde ich mich vielleicht wohl um 11.30 auf meinem Küchentisch für den Frieden trommeln, eine Aktion, von der Wikipedia berichtet. Der Tisch sieht einigermaßen stabil aus. :D

Zum Abschied noch ein spontanes Elfchen:

Poesie
Wohlklingende Worte
Künden von Geheimnisvollem
Ich lasse mich verzaubern
Rührung

Über spontane Verse in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen. Zu Ehren der Poesie!

 
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Verfasst von - 21. März 2012 in Allgemein, Erlebtes, Gedanken, Zitate/Gedichte

 

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Am Rande der Nacht

Am Rande der Nacht

 

Meine Stube und diese Weite,
wach über nachbetendem Land, –
ist Eines. Ich bin eine Saite,
über rauschende breite
Resonanzen gespannt.

 

Die Dinge sind Geigenleiber,
von murrendem Dunkel voll;
drin träumt das Weinen der Weiber,
drin rührt sich im Schlafe der Groll
ganzer Geschlechter…..
Ich soll
silbern erzittern: dann wird
Alles unter mir leben,
und was in den Dingen irrt,
wird nach dem Lichte streben,
das von meinem tanzenden Tone,
um welchen der Himmel wellt,
durch schmale, schmachtende Spalten
in die alten
Abgründe ohne
Ende fällt…

Von Rainer Maria Rilke

 
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Verfasst von - 11. Februar 2008 in Zitate/Gedichte

 

Blick in den Hof

Blick in den Hof

Während es anfängt zu schneien
schaukelt das Mädchen im Hof
schaukelt sich tief
ins wachsende weiße Dunkel
Glück ist ein Sekundenschlaf
Ich schaue auf, die leere Schaukel
schwingt noch ein wenig nach

Von Harald Hartung (*1932)
(Aktennotiz meines Engels. Gedichte 1957-2004. Wallstein Verlag, Göttingen 2005.)

 
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Verfasst von - 14. Januar 2008 in Zitate/Gedichte

 

Wünschelrute

Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

Von Joseph von Eichendorff, 1835.

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Verfasst von - 7. Januar 2008 in Zitate/Gedichte

 

Mottosuche

„Anderssein ist keine Frage des Charakters; Anderssein ist eine Frage der Ausdauer.“ (Lieselotte Trutnau)

Das war bislang mein Lebensmotto. Ich fühlte mich grundsätzlich anders und ächtete die anderen als Verräter, weil sie ihr selbst aufgaben, um so zu sein, wie alle anderen auch – zumindest kam es mir so vor, dass alle gleich seien, nur ich passte nicht dazu.

Als ich die Schule wechselte stellte ich – als ich mein Motto für die Abizeitung angeben sollte – fest, dass es eigentlich gar nicht mehr passte. Ich hatte mittlerweile gelernt, dass es auch andere Menschen gibt, die so sind wie ich und dass es auch Menschen gibt, die nicht versuchen, sich anzupassen und die auch Andersartige akzeptieren.

Also begab ich mich auf Mottosuche. Das naheliegendste war einer der Sprüche, die im Klassenzimmer meines ehemaligen Lateinlehrers hingen. Wie wäre es zum Beispiel mit:

„Quidquid agis prudenter agas et respice finem!“

Nicht nur, dass das ein Hexameter ist, der Spruch passt zu mir, auch wenn er als Motto blöd ist. Gut gefallen hat mir auch:

„Dum spiro spero“ (Cicero)

Aber was genau hoffe ich denn? Abgesehen davon, dass der Spruch auf jeden passt, kann ich mich nicht genau damit identifiezieren und so ging die Suche weiter.

Aber hier taucht die nächste Frage auf: Was genau muss ein Motto tun? Sollte ich es mir immer vorsagen können, um mich hinterher zu bessern? Oder sollte es den anderen etwas über mich selbst aussagen können?

Mir gefällt der Liedtittel von Edith Piaf gut:

„Non je ne regrette rien“

Das sollte ich mir wohl öfters denken, um nicht so viel über Geschehenes zu grübeln. Aber was sollen die Leute denken? Ich bin keine Lebedame und möchte nicht, dass man mich da falsch versteht. Außerdem muss ich für die weiteren Zeilen auch noch hart an mir arbeiten:

Oh, man! So sorgenfrei möchte ich gerne mein Leben über sein. Aber wie gesagt: Bis das Lied zu meinem Motto werden kann muss noch einiges an mir geschehen.

Non ! Rien de rien
Non ! Je ne regrette rien
Ni le bien qu’on m’a fait
Ni le mal tout ça m’est bien égal !

Non ! Rien de rien
Non ! Je ne regrette rien
C’est payé, balayé, oublié
Je me fous du passé !

Ein anderer guter Spruch ist auch noch:

Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.” (Mark Twain)

Passend dazu ist mir letztens eine Postkarte über den Weg gelaufen:

Ein neues Leben kann man nicht anfangen aber jeden Morgen beginnt ein neuer Tag!

Ein Spruch, den man sich zu Herzen nehmen sollte. Immer klein und bescheiden anfangen – was auf mich irgendwie nicht zu passen scheint. (Quidquid agis…)

Nun ja, ich bin weiterhin auf der Suche nach einem passendem Motto und so lange werde ich das

Denken ist geil!!

in sämtlichen Signaturen stehen lassen. ;)

Wahrscheinlich muss ich mich erstmal selbst finden, um mir ein bestimmtes Motto zueignen zu können. Aber ich werde weiterhin suchen…

 
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Verfasst von - 23. August 2007 in Gedanken, Zitate/Gedichte

 

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